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DSCN9057Manchmal hat man Hemmungen über etwas zu schreiben, über das kaum je geschrieben wird. Zum Beispiel über den „Zufallstrunk“ an einem Seminarort, wo man nach den Vorträgen und Diskussionen noch gemütlich zusammensitzt. Die meisten Teilnehmer genehmigen sich noch ein Bier und die Nichtbiertrinker? Sie suchen sich halt einen Wein. Die Auswahl ist klein, meist nur je einen oder zwei Weine von den roten und weissen. Da bin ich schon froh, wenn es ein Einheimischer ist – nicht irgendein unverbindliches Gewächs aus einem Weingebiet, wo so viele Massenweine herkommen. In meinem Fall war es also ein Badener aus der Weinkellerei Markgräferland, dort jedenfalls wurde er (laut Etikett) abgefüllt. In Müllheim, wie ich noch erfahre, dem Zentrum der Weinregion Markgräflerland. Den Wein kann man trinken, unter den gegebenen Umständen (Schlummertrunk) ist er sogar gut. Eine lange ernte-857474ad617fe16691e221830b37f29bAuseinandersetzung braucht er nicht, besondere sensorische Fähigkeiten sind in diesem Fall nicht gefragt. Einfach ein Wein zum Trinken. Und vergessen? Als Weinmonument wohl kaum, aber als Zeuge eines Stadtteils in Freiburg i.Br. wo neben Villen aus der Gründerzeit noch Reben wachsen. Allein schon die Verknüpfung des Weinnamens „Lorettoberg“ verbindet mit dem Ort an der Höllentalbahn, wo es mich – zufällig – hin verschlagen hat. Nicht wegen des Weins, angereist durch den Lorettotunnel, also auch nicht wegen der Landschaft. Davon spürt man kaum etwas in den Seminarräumen und für Spaziergänge fehlt die Zeit. Da ist der regionale oder lokale Wein ein willkommener Ersatz. Man spricht plötzlich nicht nur über das Thema des Symposiums, auch nicht über den Wein an sich, sondern über die Region, die auch eine Weinregion ist. Man spricht über die Weinkultur, die Weintradition, die Schönheiten und Eigenheiten einer Gegend in der Wein wächst. Da braucht es kein Ranking – ist bei diesem günstigen Wein auch kaum möglich. Doch er lockert die Zunge und macht – in aller Bescheidenheit – Spass. Oft habe ich das Gefühl, dies ist weit mehr, als an so manchem Weinseminar, wo Wein so oft zu fast abstrakten Begriffen, zu sensorischen Purzelbäumen und vorgefassten Urteilen führt, nicht selten auch zu beckmesserischen Diskussionen. Da lob ich mir diesen kleinen Schlummertrunk – er begleitet mich nur in die Nacht hinein.

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