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Große Verlagshäuser tun sich schwer mit kleinen Weinbaugebieten. Kauft doch keiner, maulen die Programmleiter, sobald man ihnen mit abseitigen Themen auf den Leib rückt. Dann lieber und sicherheitshalber ein Werk über die großen Schlösser des Bordelais, die großen Lagen der Bourgogne oder die großen Cabernets der Toskana. Davon gibt es zwar schon so viele, dass kein Bibliothekar mehr den Durchblick hat, aber falsch machen kann man damit nichts.

Mit einem Büchlein über die besten Weine des Drei-Seen-Gebietes hätte man eine Menge falsch machen können, wenn man es aus der Ferne geschrieben oder publiziert hätte. Die Berichterstattung über ein Weinbaugebiet wie dieses, das selbst in der Schweiz nicht jedem geläufig ist, funktioniert nur unter bestimmten Voraussetzungen. Eine heißt: vor Ort sein. Yves Beck ist es, hat sich durchgekostet durch die Chasselas aus Twann, die Pinot gris und Oeil de Perdrix aus Neuenburg, die Pinot noir und Traminer aus Vully. Er beschreibt Winzer, von den ich noch nie etwas gelesen habe (und ich bilde mir ein, mich beim Schweizer Wein inzwischen ganz gut auszukennen), berichtet von ulkigen Kreationen (eine Petite Arvine aus Boudry) und macht aus seiner Euphorie keinen Hehl. Für meinen Geschmack sind die Noten einen Hauch zu hoch ausgefallen, ist die Begeisterung für Holzaromatik dann und wann eine Nuance zu stark. Doch die Lektüre macht Lust auf einen sur lie abgefüllten Chasselas, auf Ligerzer Eiswein und auf Fischknusperli aus dem Bielersee – und die Mühe, mehr als 500(!) Weine auf 192 Seiten vorzustellen, ist nicht hoch genug einzuschätzen.

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