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Das Thema Wein beschäftigt seit Jahren nicht nur die Genießer dieses Getränks. Vielmehr und in zunehmender Weise werden bestimmte Weine als Spekulationsobjekt betrachtet. Das hat seinen Grund: Wein ist nicht vermehrbar. Was ich meine, sind Kultweine aus bestimmten Topjahrgängen, die von Tag zu Tag weniger werden und natürlich nicht nachproduziert werden können. Zum Leidwesen der Produzenten wandern immer mehr Flaschen in die Keller von Sammlern und Investoren anstatt getrunken zu werden. Wein wird seit Jahrhunderten gemacht und seit Jahrzehnten mit Gewinn und Verlust - fast wie an der Börse - gehandelt. Im Zeitalter des Internets ist ein wahrer Boom entstanden.

Dieser Boom blieb weitestgehend ungebrochen - auch in Krisenzeiten. Doch seit Sommer fallen die Preise und der Liv-ex100 in London (Daten auf www.winecollect.eu) fiel im Oktober 2008 erstmals seit 2001 zweistellig im Monatsvergleich. Minus 12,4%. Also hat die weltweite Krise jetzt auch die Weinbranche erreicht. Trotzdem werden mehr Weine gehandelt als noch vor 6 Monaten.

Rechts der Gironde entstehen so genannte Blue Chip - Investmentweine (die man auch trinken kann!)

Sparbuch, Aktie oder Wein?

Über Verluste bzw. Gewinne mit Aktien brauche ich an dieser Stelle wohl nichts zu schreiben. Wenn man eine Alternative zum Sparbuch sucht, aber nicht das Geld für einen Cézanne oder Picasso hat, ist Wein eine gute Anlageform - auch heute noch. Es sind nur eine handvoll Weine die mehr oder weniger von selbst teurer werden. Ganz ohne Risiko. Allerdings mit viel Aufwand. Leider bekommt man diese Weine nicht wie eine Aktie oder einen Golddukaten bei der Bank. Deshalb stellt die Beschaffung der gewinnträchtigen Kultweine das Hauptproblem dar. Wein als Wertanlage ist jedoch mit dem nötigen Wissen seit mehr als 50 Jahren wesentlich erfolgreicher als etwa Aktien. Die Anbauflächen dieser Kultgetränke sind seit ca. 200 Jahren gleich. Und damit sind auch der Produktion Grenzen gesetzt. Gleichzeitig wächst aber der Bedarf. Auch wenn derzeit die Nachfrage stagniert wie nach den Anschlägen im Jahr 2001 in New York. 2 Jahre später war die Nachfrage - auch aufgrund des hervorragenden Bordeauxjahrgangs 2003 - größer als vor der Katastrophe. Und wie jeder Laie weiß, bestimmen immer noch Angebot und Nachfrage den Preis einer Ware. So auch beim Wein! Die Grafik unten zeigt den Wertzuwachs eines Blue Chip* - Weins nach Auslieferung durch die Negociants (frz.: Händler). Mouton Rothschild 2000 erhielt 97+/100 Parker und ist sicher nicht der beste Anlagewein - wie etwa Ausone, Lafleur oder DRC - und trotzdem stieg der Preis in den letzten 6 Jahren um 175,91%. Die beginnende Trinkreife dieses Weins in den nächsten Jahren wird einen weiteren Preisschub ermöglichen. Krise hin, Krise her. Der Zeitpunkt ist günstig. Die Preise animieren gerade jetzt zu kaufen.

* aus dem Börsenbereich: Aktie mit hoher Marktkapitalisierung Blue-Chips werden ausschließlich von Unternehmen ausgegeben, die weltweit einen guten Ruf haben und durch ihren hohen Ertrag überzeugen.



Welcher Wein?

Wie ich eingangs erwähnte ist es eine handvoll Weine die sich zur Wertanlage eignet. Auf alle Fälle sei vorweg gesagt, dass es keinen einzigen Wein gibt, der über Nacht den großen Gewinn bringt. Es sind verschiedene Kriterien die einen Wein zum Investmentgut machen. Dies sind:

1. Name und Klassifizierung: Wenige Topweingüter aus Bordeaux, Romanée Conti aus Burgund und für die kleine Börse auch Kultweine aus Italien.

2. Bewertungen: Nur Weine mit 96-100 Punkte vergeben von den einflussreichsten Kritikern, allen voran Robert Parker, taugen als Investmentweine. Blue Chips haben mit wenigen Ausnahmen 99/100 oder 100/100 Punkte.

3. Haltbarkeit: Entscheidend für Investoren ist, wie lange ein Wein in der Flasche haltbar, sprich: genußreif ist. Niemand würde langfristig in einen Wein investieren der eine kurze Lebensdauer hat. Deshalb ist das Bordelais die erste Adresse!

4. Jahrgang: Ein wesentlicher Faktor! Auch wenn viele Autoren das anders sehen, gibt es für mich bis dato nur wenige Jahrgänge, die ich empfehlen würde. Aus Bordeaux sind dies 1982, 1989, 1990, 2000, 2003 und 2005, sowie 1985, 1990, 1996, 1999, 2003 und 2005 aus Burgund (Rotweine). Zurückliegende Jahrhundertjahrgänge würde ich nicht mehr empfehlen. Es nützt der beste Wein des Jahrtausendjahrgangs 1961 wenig, wenn man kaum einen dieser Kultweine kaufen kann. Oder - wie man oft liest - eine Fälschung erwirbt. Die echten Superstars dieser Jahrgänge sind ohnehin in "fester Beziehung"!

5. Kult und Tradition: 2 elementare Entscheidungshilfen. Würden Sie Ihr Geld in einen unbekannten Wein investieren, weil dieser von Parker 100 Punkte erhalten hat? Wohl kaum, außer für das Candle-Light Dinner am Wochenende. Jeder Investment-Wein braucht auch eine gewisse Historie! Der Name ist beim späteren Verkauf entscheidend. Diesen erlangt man nicht mit einer Bewertung sondern durch jahrzehntelange Topqualität.

Die Premiers aus besten Jahren sind eine gute Anlageform

Einkauf - Verkauf

Durch das Internet ist heute ein Sekundärmarkt für Weine entstanden den es vor 10-15 Jahren noch nicht gab. Auktionshäuser wie die weltweit wichtigen Christies und Sotheby´s, aber auch eBay, Koppe & Partner in Deutschland oder Steinfels in der Schweiz verkaufen jährlich Weine für mehrere Millionen Euro. Trotzdem kann unter dem Strich ein Minus entstehen, wenn man aufs falsche "Pferd" setzt. Auktionsgebühren, Kellereinrichtung, Lagerhaltung und andere Nebenkosten lassen eine gute Rendite schnell schwinden. Die Mindestanlagedauer bei Kultweinen sollte 5 - 10 Jahre sein. Dann ergibt sich ein schönes Plus mit den richtigen Weinen, wie auch Experten wie Jan-Erik Paulson (RareWine) oder Michael Broadbent (langjähriger Experte und Berater bei Sotheby´s) bestätigen. Warum 5 - 10 Jahre? Weil das die ungefähre Dauer ist, bis die Spitzenweine zur ersten Trinkreife gelangen. Dann steigt die Nachfrage nach solchen Weinen und mit jeder getrunkenen Flasche auch der Preis. Wo einkaufen? Oberstes Gebot: Blue Chips niemals bei eBay kaufen, außer ein Händler bietet über diese Plattform Original Holzkisten (OHK) mit Herkunftsnachweis an. Generell sollte man versuchen, Anlageweine nur in OHKs zu erwerben und zu lagern. Beim Wiederverkauf werden Sie feststellen, dass 12 Flaschen in der OHK um einiges mehr bringen als 12 Einzelflaschen.

Genauso verhält es sich mit Großflaschen. Ein Petrus 1990 in der Magnum (1,5l) kostet ca. 7000.- Euro. Dieselbe Menge in der Normalflasche, also 2x 0,75l kosten ca. 6000.- Euro. Aber auch mit weniger teuren Weinen lässt sich kurzfristig gutes Geld machen. Wer hätte sich gedacht, dass eine Flasche Masseto 2001 binnen 5 Jahren eine Wertsteigerung von mehr als 200% bringt! Kostete der Wein 2003 "nur" 150.- Euro, muss man heute mehr als 500.- beim Händler zahlen. Auch beim neuen Jahrgang 2005 von Antinoris Solaia schütteln derzeit Kunden und Händler den Kopf. Der Preis zum 2004er hat sich verdoppelt. Trotz schlechterer Bewertung als 2004, trotz Weltwirtschaftskrise. Das macht das Trinken, Sammeln und Handeln von Wein einzigartig.

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