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Erneut im Alcazar von Jerez de la Frontera untergebracht, beging vor kurzem Vinoble, die alle zwei Jahre stattfindende Messe für verstärkte, Dessert- und natursüße Weine ihr zehnjähriges Jubiläum. Weniger eine Weinmesse im herkömmlichen Sinn ist Vinoble in erster Linie ein Treffen von Liebhabern außergewöhnlicher süßer, edelsüßer und verstärkter Weine: ein Fest für Winzer, die sich voll Passion teils oder ganz diesem Nischensegment verschrieben haben, und für begeisterte Verkoster, die als Händler oder Kommunikatoren dafür eine Lanze brechen. Diesem vier Tage dauernden Fest gibt die maurische Festung von Jerez mit ihren arabischen Gärten, der Mezquita und dem eleganten Palacio de Villavicencio einen traumhaften Rahmen. Die Stadt selbst, die sich für das Ereignis stark engagiert, trägt mit ihrer Atmosphäre, ihren Tapasbars und Restaurants, ihrer legendären Dressurkunst und dem hier authentischen Flamenco entscheidend dazu bei, dass ein Besuch der Vinoble zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Notieren Sie es sich: Ende Mai 2008 ist es wieder so weit.

Die Eröffnung mit der Bürgermeisterin von Jerez


Vinoble ist es im vergangenen Jahrzehnt gelungen, sich als das Ereignis zu etablieren, auf dem man sich auf diejenigen Weine konzentrieren kann, die man auf allen anderen Messen, Salons und Ausstellungen oft meidet, weil ihre Süße, ihre Stärke und ihre aromatische Intensität das Probieren trockener Weine beeinträchtigt.

Dass das Konzept aufgeht, beweist die Teilnahme von zwanzig Weinländern mit 1.200 Weinen von mehr als 400 Erzeugern, die sich an 85 Ständen präsentierten.

Für mich heißt Vinoble zuerst einmal Sherry. Im Palacio gab es erneut die Chance, fast alle zur Zeit angebotenen Sherries und Manzanillas zu probieren, von den Finos über die Amontillados, die seltenen Palo Cortados zu den Olorosos bis zu den Pedro Ximenez und den Moscatels. Dabei konnte man sich einen ausgezeichneten Überblick über die enorme Spannbreite dieser unerhört spannenden Weine machen und hatte obendrein Gelegenheit, die ältesten und seltensten 20, 30 und mehr Jahre alten Weine zu verkosten.

Die Garnacha-Verkostung


Die meisten anderen spanischen Regionen waren auch vertreten, vor allem die auf verstärkte Weine ausgerichteten Denominaciones von Malaga, Montilla-Moriles, Condado de Huelva und Alicante, sowie Winzer aus diesen oder anderen Gebieten, die oft höchst originelle Spätlesen oder Likörweine vorstellten wie José Ordonez aus Malaga, der sich von Alois Kracher beraten lässt, Bodegas Castaño aus Yecla, die einen Monastrell Dulce präsentierten, oder Gramona mit ihren verblüffenden edelsüßen Cavas.

Portugal bot eine kleine, aber überzeugende Auswahl an Portweinen. Aus Ungarn zogen Oremus und Dominium mit ihren Tokajis viele Verkoster an. Das Wallis war hervorragend mit der Gruppe ConfidenCiel vertreten, darunter Philippoz Frères, Domaine Cornulus und Marie-Thérèse Chappaz’großartiger Marsanne Grain Noble. Weniger Engagement zeigte dieses Mal das Burgenland, trotz der Teilnahme von Spitzenweinen von Feiler-Artinger und Nitthaus. Auch die Präsenz des VDP mit 12 Betrieben und 15 Weinen viel etwas schmal aus, dafür erwies sich die von Jürgen Mathäß’ geleitete Verkostung deutscher Weine als Magnet.

Italien war durch Marsala, das Gut Mola von Elba und Vini Santi aus dem Trentino vertreten. Aus Griechenland kamen der Newcomer Nyx, ein intensiver, fruchtbeladener Mavrodaphne aus Patras,  die Coop von Samos mit dem hochwertigen Anthemis und von Santorini die Winzer mit ihrem ungewöhnlichen Vin-Santo aus in der Sonne getrockneten Trauben.

Die San-Fernando-Gärten mit dem Palast im Hintergrund


Frankreich brillierte mit einer - zur auf Einladung zugänglichen - kleinen Vertikale Château Yquems und 13 weiteren Edelsüßen aus Sauternes-Barsac und Loupiac. Aus seinem Südwesten war ebenfalls eine kleine Anordnung in Jerez, darunter der rein handwerklich arbeitende Newcomer Dominique Adrian mit den erstaunlich Finessen reichen Weinen seiner Domaine Haut-Campagnau.

Eine hinreißende Auswahl an edelsüßen Weinen hoher und höchster Qualität bot die Vereinigung SAPROS, von den Winzern Mireille Daret, Patrick Baudoin und Jo Pithon mit Passion vorgestellt. Louis Sipp hielt dieses Mal dagegen als einziger für das Elsass die Fahne hoch, während das Roussillon eine treue Präsenz mit seinen überzeugenden Vins Doux Naturels zeigte, darunter auch die großen älteren Jahrgänge von Arnaud de Villeneuve und Château Les Pins sowie Jérémy Gaïc mit den hochkarätigen Domaines Traginer, Puig-Parahy und Pouderoux. Rolf Bichsel illustrierte in einer mit Yves Zier aus Perpignan geleiteten Verkostung die Vielseitigkeit der Sorte Grenache, die im Rivesaltes 1930 von Puig-Parahy gipfelte.

Rumänien und Georgien gaben Gelegenheit, sich von ihren lieblichen Weinen einen Eindruck zu verschaffen.

Südamerika war erneut mit Spätlesen aus Argentinien und Chile präsent und Uruguay debütierte dank Bodegas Pisano, die ihren sensationellen Likörwein aus Tannat vorstellten. Südafrika gab ebenfalls sein Debut mit einer kleinen Auswahl süßer und verstärkter Weine.

Probierstand im Palast Villavicencio


Aus den USA war nur die kalifornische Quady Winery vertreten, deren Orange Muscats schon als Klassiker gelten können. Großes Interesse weckten die Icewines der drei kanadischen Wineries, aber wirkliches Aufsehen verdiente such La Face Chachée de la Pomme, die von François Pouliot und Stephanie Beaudoin geführte Cidrerie in Quebec, die mit absolut köstlichen Apfel-Eisweinen die Vinoble-Besucher verblüffte und begeisterte. Weitere Verkostungen, Präsentationen und Geschmack-Ateliers führten den Besuchern die Vielseitigkeit und den vielfältigen Genuss vor Augen, den „noble” Weine bereiten können.

Auch wenn noch nicht alle Länder vertreten waren, die liebliche, edelsüße oder verstärkte Weine erzeugen und wenn es zu wünschen wäre, das manche eine größere und vor allem persönlichere Präsenz zeigen würden, schon jetzt kann Vinoble für sich beanspruchen, dass es international keinen anderen Weinevent gibt, wo ein solch faszinierendes Spektrum dieser raren und ungewöhnlichen Weine geboten wird.

 

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