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Gemächlich drehen sich die Windmühlenflügel in der Mancha.
Doch der Schein trügt: Aus dem Herzen Spaniens stammen mittlerweile Iberiens prestigeträchtigste Weine.

«Nehmen Sie ein Kissen mit, die Stühle sind hart», empfiehlt die Frau an der Rezeption. Die Stühle, die sie meint, stehen im Patio des Corral de Comedias. So heisst das Theater im Städtchen Almagro, 30 Kilometer westlich von Valdepeñas. Ein richtiges klassisches Theater, dreistöckig, eines der ältesten in Spanien, aber so winzig klein, als sei es mit den Jahren zur Puppenbühne geschrumpft. Man hört den Atem der Schauspieler. Sie spielen «Das Leben ist ein Traum» von Calderón de la Barca. Und der Traum geht auch nach Ende der Veranstaltung weiter, wenn der Mond auf Kopfsteinpflaster und Herrenhäuser fällt und man die prächtige Plaza Mayor mit ihren Laubengängen und Balustraden betritt.

Wer nun glaubt, dass der Wein den Reichtum dieser Stadt geschaffen habe, irrt. Dafür wurden die Weine aus La Mancha und Valdepeñas schon früher zu billig verkauft. Nein, Almagro war im Mittelalter der Hauptsitz der mächtigen Calatrava-Ritter. Im 16. Jahrhundert übernahm dann das Augsburger Bankhaus Fugger die Kontrolle über die nahe gelegene Quecksilbermine und machte Almagro zu einem der wichtigsten Handels- und Finanzzentren im südwestlichen Europa. Vorbei. Heute ist Almagro ein verschlafenes Provinznest, nur Ende Juli, während des Theaterfestivals, darf es ein paar Tage Weltstadt sein.

«34 kühne Recken»

Windmühlen in Campo de Criptana
Karg, staubtrocken und vom Wind zerzaust ist La Mancha. Manchmal öde. Manchmal fantastisch schön. Man muss nur wissen, wo. Wer von Madrid aus Richtung Süden fährt, stösst rund 40 Kilometer vor Valdepeñas auf das Bilderbuchdorf Campo de Criptana. Hoch über dem Dorf thront eine Staffel von Windmühlen. Sind es diejenigen, mit denen der legendäre Don Quijote gerungen hat? Miguel de Cervantes schrieb in seinem Roman von «34 kühnen Recken», denen sich der Ritter mutig entgegenstellt. Zehn Mühlen sind geblieben und stehen heute unter Denkmalschutz.

Gewissermassen in deren Schatten ist eines der neuen Weinmärchen der südlichen Mancha im Gange. Alejandro Fernández, der berühmte Winzer der Kellerei Pesquera in Ribera del Duero, hat hier die Bodega El Vínculo gebaut. In den Tavernen des Dörfchens wissen die Weinbauern eine Anekdote über «Don Alejandro» zu erzählen. Der habe in seinem ersten Jahr in La Mancha einen Rebberg mit alten Stöcken entdeckt, die sehr wenig Trauben trugen. Weil er diese Trauben unbedingt wollte, habe er dem betreffenden Winzer schliesslich mehr als das Doppelte des üblichen Preises bezahlt. Im nächsten Jahr sei der Winzer wieder zu Alejandro gekommen, um ihm vom gleichen Rebberg nun die dreifache Menge zum selben Preis anzubieten. Doch Alejandro habe lächelnd abgelehnt, worauf der Winzer die betreffenden Trauben zum Minimalpreis der Genossenschaft verkaufen musste. Qualität zu verstehen kann eben manchmal schmerzlich sein…

Einen Steinwurf von der Bodega El Vínculo entfernt befindet sich das Restaurant «Cueva La Martina», das einen vorzüglichen Pisto Manchego, einen Gemüseeintopf aus Tomaten und Paprika, anbietet. Grosse Fensterpartien geben den Blick auf das typische Mancha-Dorf frei.

Exporterfolg Clarete

Das Rebenmeer südlich von Madrid ist ein seltsames Gebilde. Betrachtet man die Karte der spanischen D.O.-Gebiete, fällt auf, dass die riesige Appellation La Mancha die mit 30000 Hektar verhältnismässig kleine D.O. Valdepeñas fast vollständig umgibt. Wieso also diese Unterscheidung? Zum einen geht die topfebene Meseta kurz vor dem Städtchen Valdepeñas in sanftes Hügelland über. Noch wichtiger aber ist, dass es den Winzern rund um Valdepeñas viel früher gelang, ihrem Wein ein gewisses Renommee zu verschaffen.

Das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet der Welt

Schon im 16. Jahrhundert war es in den führenden Gasthäusern von Madrid «in», Wein aus Valdepeñas zu trinken. Und im 19. Jahrhundert landete das kleine Gebiet mit seinem Clarete gar einen spektakulären Exporterfolg. Der helle, leichte Rotwein erhielt seinen süffigen Charakter, weil die Winzer ihre starken Rotweine kurzerhand durch Zugabe von 20 Prozent Weisswein verdünnten. Vor allem in Südamerika war der Clarete äusserst beliebt.

Trotz ihres unterschiedlichen Erfolgs waren sich im Bereich der anspruchslos produzierten Massenweine die Tropfen aus den D.O.-Gebieten La Mancha und Valdepeñas schon immer sehr ähnlich. Und heute, wo sich an verschiedenen Stellen der kastilischen Hochebene eine kleine Gruppe ambitionierter Winzer einen Namen gemacht hat, zeigt sich, dass auch die Spitzenweine beider Appellationen eng miteinander verwandt sind. Kein Wunder: Die Winzer pflegen die gleichen Rebsorten, nämlich neben dem alteingesessenen Cencibel (Tempranillo) vor allem Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah. Auch das Terroir mit seiner Kreideunterlage und dem kontinentalen Klima ist vergleichbar. Und hier wie dort weiss man heute alles über moderne Kellertechnik und Barrique-Ausbau.

Entstanden ist so ein völlig neuer Weinstil. Viele Rotweine wirken mit ihrer fruchtbetonten, reifen Opulenz ausgesprochen modern. Mit ihrer schwarzbeerigen Frucht, abgepuffert durch reichlich Eichenholzwürze, erinnern sie zuweilen stark an Weine der Neuen Welt. Fast könnte man glauben, Australien beginne südlich von Madrid.

Die Spitze der Pyramide

Topwein aus der Mancha: El Vínculo
Zu den Wegbereitern in der D.O. La Mancha gehören neben der Bodega El Vínculo auch Miguel und José María Calatayud, vor allem aber der ehemalige Madrider Theaterproduzent Manuel Manzaneque. Der keltert in seiner Finca Elez in El Bonillo einen der prestigeträchtigen Vinos de Pago. Diese Weine aus klassifizierten Einzellagen bilden heute die Spitze der spanischen Appellationspyramide, und es kommt sicher nicht von ungefähr, dass es sich dabei nicht um einen traditionellen Cencibel handelt, sondern um einen Syrah.

In Valdepeñas, der unscheinbaren Strassenstadt, ist es vor allem Dionisio de Nova García, der neue Wege geht. Schon sein Vater hat das 29-Hektar-Gut vor 20 Jahren auf biologischen Anbau umgestellt, wozu diese trockene Region mit wenig mehr als 400 Millimeter Regen pro Jahr und Quadratmeter eigentlich prädestiniert wäre. Trotzdem hat er bis heute kaum Nachahmer gefunden. Der Vinum Vitae, die Spitzencuvée des Biowinzers, besteht aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon. Er experimentiert aber auch mit Petit Verdot und Syrah. Und im Keller seines typischen, weiss getünchten Herrenhauses mit Patio hat er einen speziellen Raum eingerichtet, in dem er Knoblauchessig herstellt.

Biowinzer Dionisio de Nova García setzt auf Barriques und Tinajas

Trotz ihrer Experimentierfreude halten die Winzer auch der Tradition die Treue. Nichts zeigt das so deutlich wie die «Tinajas», die Tonamphoren, in denen schon die Väter der heutigen Weinbauern ihre Weine vergoren und ausbauten. Sie stehen nach wie vor in den Kellern und werden nicht nur sorgfältig gepflegt, sondern auch verwendet.

Safran, Knoblauch und Reben

Obwohl die Meseta südlich von Madrid das grösste zusammenhängende Weingebiet der Welt ist, wird die Landschaft nicht nur von den eigenwillig schachbrettartig angelegten Rebbergen dominiert. Im Oktober leuchten plötzlich einzelne Felder violettblau. Dann ist es Zeit, das teuerste Gewürz der Welt zu ernten: Safran.

Schlechte Gegend für Vampiere: Knoblauchsuppe aus Kastilien
Zudem ist die Mancha eine Hochburg des Knoblauchanbaus. In den einfachen Tavernen ist der Knoblauch omnipräsent. Vor allem im Herbst. Dann gibt es nicht nur Knoblauchsuppe, sondern auch Pilze und diverses Wild werden mit Knoblauch zubereitet. Doch keine Angst: Köche wie Hausfrauen verstehen es, mit den Knollen so umzugehen, dass negative Nachwirkungen weitgehend ausbleiben.

La Mancha ist eine rustikal gebliebene Region, die fast gänzlich von der Landwirtschaft lebt. Vielleicht liegt es  an der Kargheit, dass man dieses Land noch immer mit Don Quijote gleichsetzt. Hier, wo die Sonne so brutal aufs flache Land brennt, dass einem schon mal eine Fata Morgana erscheinen kann, wird der wirre Charakter der Romanfigur verständlicher.

Cervantes liess seinen traurigen Ritter übrigens auch mit dem Wein kämpfen. Für den Weintransport wurden damals «Pellejos» verwendet, zusammengenähte Häute von Ziegen, die mit Wein gefüllt wieder ein tierähnliches Aussehen bekamen. Als Don Quijote so einem Ding begegnete, hielt er es für einen Feind und nahm mit seiner Lanze den Kampf auf. Als er den ausströmenden Wein sah, den er natürlich für Blut hielt, war er sicher, einen glorreichen Sieg errungen zu haben. Mit den heutigen Barriques wäre ihm das wohl nicht so leicht gefallen…


Text: Thomas Vaterlaus (thomas.vaterlaus@vinum.info)
Fotos: Heinz Hebeisen (heinz.hebeisen@vinum.info)

Für Sie getestet

Restaurants:

El Corregidor
Jerónimo Ceballos 2
E-13270 Almagro (Ciudad Real)
Tel. +34-926-86 06 48
elcorregidor@teleline.es
Altes Haus mit rustikalem Interieur und einer Küche, die klassische Gerichte gekonnt verfeinert.

La Membrilleja
Carretera de Pozuelo a Torralba, km 5
E-13270 Almagro (Ciudad Real)
Tel. +34-926-69 30 64
Klassische Wirtsstube in einem typischen Hof aus dem 19. Jahrhundert mit Patio.

Las Rejas
Borreros 49
E-16660 Las Pedroñeras (Cuenca)
Tel. +34-967-16 10 89
informacion@lasrejas.net
www.lasrejas.net
Das gediegene Restaurant in einem ehemaligen Herrenhaus lohnt den Umweg ebenso wie die Gerichte von Spitzenkoch Manolo de la Osa.

Cueva La Martina
Rocinante 13
E-13610 Campo de Criptana
(Ciudad Real)
Tel. +34-926-56 14 76
Hier diniert man zwischen Windmühlen mit Sicht auf ein typisches Mancha-Dorf - Don Quijote lässt grüssen.

Hotels:

Parador de Turismo Almagro
Ronda de San Francisco 31
E-13270 Almagro (Ciudad Real)
Tel. +34-926-86 01 00
Fax +34-926-86 01 50
almagro@parador.es
www.paradores-spain.com
Gehört zu den schönsten Paradores in ganz Spanien. In einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert mit zahlreichen Innenhöfen untergebracht.

Balneario Cervantes
(Hotel mit Restaurant)
Camino de los Molinos, km 2
E-13730 Santa Cruz de Mudela
(14 km von Valdepeñas entfernt)
Tel. +34-926-33 13 13
Fax +34-926-33 14 41
balneariocervantes@manchanet.es
www.balneariocervantes.com
Klassisches Landhotel mit allem Komfort (Schwimmbad etc.).

Weitere Infos

www.lamanchado.es
Reichhaltige Website mit einer Fülle von Infos über die D.O.
La Mancha, das grösste Weinbaugebiet der Welt.

www.wein-plus.de/spanien
Kompakte Infos über die D.O. Valdepeñas.

www.ayto-valdepenas.org
Gut gemachte Website über
Weinbau, Sehenswürdigkeiten und Gastronomie in Valdepeñas. Leider nur in Spanisch.

 


Der vorstehende Artikel wurde uns freundlicherweise von der Vinum-Redaktion zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür. Bitte bestellen Sie über den nachfolgenden Link GRATIS ein Probeheft der Vinum:

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