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Ist Österreich nun ein echtes Rotweinland oder nicht? Die Begeisterung war groß, als nach dem ausgezeichneten 97er mit 1999 und 2000 zwei weitere erstklassige Rotweinjahrgänge aufeinander folgten. Nie zuvor gab es eine solche Fülle beachtlicher bis großer Rotweine, nie eine so große Zahl Produzenten, die sich mit Eifer und Ehrgeiz ans Werk machten, der Konkurrenz aus Bordeaux und Burgund, von der Rhone, aus Italien, Kalifornien und Australien die Stirn zu bieten.

Gerade in 2000 waren es Letztere, die opulenten Roten aus Übersee, die als Vorbilder gerade gut genug zu sein schienen. Mächtige, vor Frucht und Holzwürze strotzende „Granaten” entstanden zuhauf rund um den Neusiedlersee, in Carnuntum oder in der Thermenregion. Neben den einheimischen Sorten Blaufränkisch und Zweigelt standen auch die nicht selten mit einer gewissen Skepsis betrachteten internationalen Sorten wieder hoch im Kurs. Cabernet Sauvignon, Merlot und auch Syrah erreichten Reifegrade, wie man sie eher im australischen Coonawarra erwarten würde. Alles schien fortan möglich.

Doch auch kritische Stimmen meldeten sich zu Wort, denen alles etwas zu schnell ging, denen die Euphorie nicht geheuer war. Was würde passieren, wenn es die Natur den Produzenten einmal nicht so einfach machte? Würden sie auch mit einem schwierigen Jahrgang zurande kommen? Wie würde es fragileren Mosten ergehen in den oft nagelneuen Kellern mit ihren nagelneuen Barriquefässern und den nagelneuen Konzentrationsmaschinen, die zwar längst nicht überall, aber doch bei vielen hoch gehandelten Erzeugern darauf harrten, sich zu rentieren. Österreich. Ein echtes Rotweinland?

Zum dritten Mal traf sich auf Einladung der Österreichischen Weinmarketingservice Ges.m.b.H. (ÖWM) in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Publizisten Mario Scheuermann eine Gruppe überwiegend österreichischer und deutscher Verkoster am 16. und 17. September in Mayerling, um anhand des Jahrgangs 2001 genau dieser Frage auf den Grund zu gehen. Im vollkommen umgebauten „Hanner”, dem ehemaligen Kronprinz, wurden unter der Aufsicht von Top-Sommelier Gerhard Retter knapp 140 Weine in eineinhalb Tagen, nach Rebsorten und Alkohol geordnet, blind probiert und bewertet. Wie jedes Jahr wurde dabei von allen Teilnehmern individuell geurteilt und kein Durchschnittsergebnis errechnet, wie dies in Jurys üblich ist.

Das Ergebnis der Probe gibt auf einige Fragen scheinbar klare Antworten, während es andere noch offen lässt. Die vielleicht wichtigste Antwort zuerst: Ja, Österreich ist ein echtes Rotweinland. Auch der schwierige Jahrgang 2001 brachte eine lange Reihe guter bis ausgezeichneter Rotweine hervor. Dabei fällt auf, dass sich die einheimischen Sorten klar gegenüber den meisten internationalen Varietäten profilieren konnten. Während Cabernet Sauvignon, Syrah und vor allem Merlot teilweise große Schwächen zeigten, überzeugten Blaufränkisch, Zweigelt und auch St. Laurent oft mit Charakter, Struktur und Sortenart. Bemerkenswert ist jedoch auch das Abschneiden vieler Burgunder. Im Gegensatz zum heißen Vorjahrgang ließ 2001 eine ganze Reihe herrlich feingliedriger, knackiger Pinots entstehen, die gegenüber den oft süßlich-breiten 2000ern nicht selten klar im Vorteil sind - zumindest für alle, die den eleganteren französischen Stil bevorzugen. Die Qualität der Cuvées schwankt naturgemäß stark, wenngleich hier der Zusammenhang zwischen Qualität und verwendeten Rebsorten erheblich schwieriger herzustellen ist als bei den reinsortigen Weinen. Hier schälen sich jedoch in den letzten Jahren einige Grands Crus heraus (wie es sie auch beim Blaufränkisch gibt), die jedes Jahr überzeugen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob sich eher die Traditionalisten oder die Modernisierer auch in schwächeren Jahren durchsetzen können. Hier gibt es keine klare Antwort und wenn, dann kann sie nur die Zeit geben, über die sich die einzelnen Weine in der Flasche weiterentwickeln - oder eben nicht. In jedem "Lager" stehen erstklassige neben schwankenden und schwachen Ergebnissen. Doch wer sein Handwerk beherrscht und mit Gewissenhaftigkeit und dem nötigen Respekt an die Arbeit geht, dem gelingen offenbar fast jedes Jahr beeindruckende Tropfen. Mit und ohne Konzentrator.

Mein Dank gilt Mario Scheuermann, der ÖWM und dem Hanner-Team, vor allem Heinz Hanner, einem der genialsten Köche Österreichs, der trotz des stressigen Umbaus in der nagelneuen Küche zur Höchstform aufläuft, sowie Sommelier Gerhard Retter, Herr über eine beeindruckende Weinkarte und auch im größten Trubel die Um- und Übersicht in Person.

Anmerkung: Da ich es für kaum möglich halte, in der kurzen Zeit, die einem bei derartigen Mammut-Proben zur Verfügung steht, ein abschließendes Urteil zu finden, sind die Wertungen in Punktespannen angegeben.
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