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„Die Weinstraße Saale-Unstrut” ist ein Reiseführer betitelt, der mit Tipps und Touren eines der am weitesten im Norden Deutschlands gelegenen Weinbaugebiete um Freyburg, Naumburg und Bad Kösen erschließen will.

Die Kulturlandschaft zwischen Saale und Unstrut erlebt der Tourist mit scharfen Kontrasten zwischen Romanik und DDR, üppigen Weinhängen und weiten Feldern, Toskana und Traktor. Das gleiche gilt für den Weinbau: Der hat hier einerseits eine fast 1000-jährige Tradition, und doch ist der Anbau noch jung: Erst nach der Wende zu Beginn der 90er Jahre begannen die Winzer mit teils unkonventionellen Mitteln die Weinhänge zu rekultivieren und damit die Region neu zu beleben.


Solide Basisinformationen für Kultur-Touristen

Die Basisinformationen des Buches von Dr. Michael Pantenius  aus dem nahe gelegenen Halle sind solide und umfänglich. Der detailreiche Reiseführer ist in neun „Touren” aufgeteilt und bietet Tipps sowie alle wichtigen Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Weingütern. Er beschreibt ausführlich die Geschichte der Städte und vielen sehenswerten Orte. Telefonnummern, Websites und Öffnungszeiten fehlen nicht. Auch die einzelnen Weinlagen der Bereiche sind aufgeführt.

Schade ist, dass die Stationen der Touren weder auf den Übersichtskarten noch inhaltlich verbunden sind. Es werden lediglich nacheinander gut erreichbare Orte und Sehenswürdigkeiten beschrieben, ohne nachvollziehbar zusammengestellte, größere Routen anzuführen. Doch vor allem für Wanderer und Radwanderer hätten ein paar echte Routen, Tipps und Beschreibungen gut getan. Gut gemacht sind dagegen die Stadtrundgänge, denen sich leicht folgen lässt.


Wein und Winzer: Ein wenig zu optimistisch

Die einzelnen Weingüter sind so beschrieben, dass auch Weininteressierte ohne Vorkenntnisse folgen können. Doch in deren Beschreibungen wird ein Aspekt deutlich, der sich durch das ganze Buch zieht: Pantenius formuliert zu schön, zu positiv, zu wenig differenziert. So werden Sorten „mit Sachkenntnis, Sorgfalt, ja wahrer Meisterschaft” ausgebaut. Er zählt immer wieder die von Betrieben errungene Medaillen der Landes- und Bundesweinprämierungen auf, beschreibt Sekt mit „aromatischer Durchsetzungskraft” oder lässt die Erzeugnisse eines Winzers als „ausgesuchte Spezialitäten bundesweite Anerkennung” erfahren. Das Buch gibt keine klaren Empfehlungen, wo Topweine zu erstehen oder unkomplizierte Schoppenweine in schöner Umgebung zu genießen sind. Beides liegt in der Region oft direkt nebeneinander. So muss sich der Weinfan selbst auf die Suche machen.

Wenig Hintergrund zu Klima und Boden

Weinfreunde mit größerem Informationsbedarf erhalten zudem wenig Hintergrund über Böden, Mikroklima und Anbaubedingungen. Auch das Wein-Glossar und die Auflistung angebauter Sorten am Ende des Buches machen deutlich, dass sich das Buch eher an touristisch Interessierte als an Weinfans richtet.

So ist es fast zwangsläufig, dass der Reiseführer den Fokus ausschließlich auf die touristischen Anziehungspunkte richtet und wenig von den Kontrasten dieser interessanten Landschaft und seiner Weine vermittelt. Auch die Beschreibungen einiger Hotels, Sehenswürdigkeiten und Dörfer fallen zu optimistisch aus. Wer sich nun auf den Weg macht und das erwähnte Objekt findet, könnte gelegentlich enttäuscht sein. Insofern macht der Reiseführer „Weinstraße Saale-Unstrut” neugierig, wird aber - trotz teils guter Detailfülle und Tipps - der Region, ihrem speziellen Reiz und ihren Weinen nicht ganz gerecht.

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Reiseführer „Die Weinstraße Saale-Unstrut”, Dr. Michael Pantenius, Mitteldeutscher Verlag, 175 Seiten, ISBN 3898124185, 11,80 €

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