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Abzocke oder Gourmet-Entdeckung, Mikrowelle oder Sterneküche: Essen gehen in Italien heißt, sich überraschen zu lassen. Das „Osterie d’Italia 2008”-Kompendium aus der Slow Food-Edition des Hallwag-Verlags ist ein gute Hilfe, kulinarische Pleiten zu vermeiden. Hier sind über 1700 Adressen von Osterien, Trattorien, Restaurants, Enotecas, Bauernhöfen und Ausschankstuben verzeichnet, die den Autoren einen Besuch wert sind.

Neben den Standard-Informationen wie Adresse, Telefon, Öffnungszeiten, Ruhetage und Betriebsferien, hebt das Buch lediglich einzelne, erwähnenswerte Aspekte des Lokals hervor - etwa eine besonders interessante Weinkarte, eine gute Käseauswahl oder eine besondere Atmosphäre nach dem namensgebenden „Slow Food”-Gedanken. Gut gemacht sind die schematischen Übersichtskarten jeder Region, die dem Urlauber eine grobe, aber schnelle Orientierung bietet.

Die nach Regionen eingeteilten Gaststuben sind jeweils einzeln besprochen, erhalten aber keine Wertung wie Gault Millau und andere Gastroführer. Die einzelnen Besprechungen auf den dicht bedruckten Seiten sprudeln dagegen vor südländischer Begeisterung, der gelegentlich zu viel Raum gegeben wird. Da stellt sich dem Leser schnell das Gefühl ein, hier könnten Stammgäste ihre Lieblings-Trattoria besprochen haben: Traditionelle, liebevoll gemachte Speisen, familiäre Atmosphäre, freundlichster Service, tolle Weinauswahl - diese Aspekte durchziehen den ganzen Band in allen erdenklichen Kombinationen. Die erzählenswerte Geschichte einer Osteria, die schöne Lage oder der Enthusiasmus des Kochs werden ebenfalls ausführlich gewürdigt. Da ist es nur konsequent, keine Sterne oder Noten zu vergeben.

Selten sind auch kurze, kritische Sätze zu finden wie „Der offene Hauswein wird der Qualität der Speisen nicht gerecht” oder „Der Service ist zwar effizient, könnte aber besser werden.” Die Preise werden meist für ein normales Menü ohne Wein gelistet - sie liegen meist zwischen 20 und 40 Euro pro Person.

Für Weinfreunde nützlich sind Hinweise zur Bestückung des Weinkellers, zu empfehlenswerten lokalen Weinen oder Spezialitäten. Die Aufschläge für den Wein sind, ganz mediterran, mal mit „ehrlich”, mal mit „moderat” oder „anspruchsvoll” umschrieben; meist umgehen die Autoren das Thema allerdings völlig. Diese Überraschung überlässt das Autorenteam dem Genießer - erfreulich ist sie erfahrungsgemäß nicht überall.

Zwischen den Besprechungen finden sich zudem kleine Artikelchen über regionale Traditionen der jeweiligen Region, so übers Weintrinken in Udine, die Triestiner Büfettküche oder neapolitanische Pizza. Richtig nützlich ist das Glossar italienischer Speisen, das die Spezialitäten von A bis Z erklärt und nicht nur wörtlich übersetzt.

„Osterie d’Italia 2008” ist somit ein guter Ratgeber bei der Restaurantsuche in Italien - Überraschungen bleiben dabei aber nicht ausgeschlossen. Vielleicht hatte der Koch aber auch einfach nur einen schlechten Tag.

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Osterie d’Italia 2008/09 - Über 1.700 Adressen ausgewählt und empfohlen von SLOW FOOD, HALLWAG Verlag München,912 Seiten,29,90 € (D) / 30,80 € (A)/ 50,90 sFr, ISBN: 978-3-8338-1086-2

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