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Es gibt sie noch, die angenehm „nüchternen”, in stets sachlich-informativem Ton gehaltenen Weinbücher, die zu einem sehr günstigen Preis geballte Information präsentieren. Dazu zählt das „Deutsche Weinbau Jahrbuch”, das sich in seiner Ausgabe 2008 mit vielen aktuellen Themen rund um den Weinbau befasst. In den 30 Fachbeiträgen werden von Weinbauexperten aus Forschung und Lehre z.B. „Nachhaltiger Weinbau im internationalen Überblick - neues Modewort oder ein Leitbild in der Globalisierung?”, die „Bedeutung genetischer Ressourcen unter den Vorzeichen des Klimawandels”, aber auch „Schädlingsbekämpfung im Weinbau einst und jetzt” oder der „Einfluss von Unterlage und Traubenreduzierung auf Traubenernte, Weinqualität und Gelderlös bei Rieslingklonen” auf der Basis gegenwärtiger Forschungsergebnisse diskutiert. Weinbauprofis dürften ohnehin nicht an neuer Forschungsliteratur bezüglich neuer „Erkenntnisse zur Rebenentwicklung und Traubenreife unter sehr verschiedenen Klimabedingungen” und der „Verschärfung der Befallsituation durch die Schwarzholzkrankheit” vorbeikommen.

Manche Artikel, wie etwa „Stilmittel Holz in deutschen Weinen”, lesen sich ohnehin derart spannend, dass das Jahrbuch längst nicht nur Weinexperten, sondern auch Weinfreunden ohne professionellen Hintergrund sehr empfohlen werden kann. Der Kaufpreis ist gut angelegt - ist er doch alleine schon gerechtfertigt durch den umfangreichen Anhang „Statistiken, Tabellen, Verzeichnisse”, die nur auf den ersten Blick spröde Lektüre darstellen: Die Übersicht zur gesamten Ertragsfläche und Weinmosternte im Jahr 2006 ist ebenso nützlich wie das aktualisierte Adressenverzeichnis der Verbände und Einrichtungen in den deutschsprachigen Anbaugebieten.

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Deutsches Weinbaujahrbuch 2008; Hrsg. Günter Schruft. 59. Jahrgang. Ulmer: 2007, Stuttgart. 59. Jahrgang, Broschur. 295 Seiten, 9,90 Euro. ISBN 978-3-8001-5574-3.


Wasser für den Wein

Am Beispiel der Publikation „Bewässerung im Weinbau” des selbständigen Weinberaters Wolfgang Patzwahl lässt sich zeigen, wie lehrreich und nachvollziehbar weinwissenschaftliche Grundlagen nicht nur den Winzern und Weinbauprofis, sondern auch einer breiteren, interessierten Öffentlichkeit vermittelt werden können. Immer mehr scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass für die Erzeugung hochwertiger Weine optimale Traubenqualität die entscheidende Voraussetzung darstellt; mit anderen Worten: Die Qualität entsteht im Weinberg; im Keller wird sie freigelegt. Die ausreichende Bewässerung ist dabei für die Qualität des Traubengutes von elementarer Bedeutung: „Oftmals nur zweitrangig beachtet, sind die positiven Auswirkungen einer ausreichenden Wasserversorgung auf die Knospenbildung und Holzreife und damit auch die Fähigkeit, über den Winter und im Frühjahr Frostereignisse besser abzupuffern.”

Der intensive Weinbau der Gegenwart - „ein durchschnittliches Ertragsniveau von 90 hl/ha bei entsprechend hohen Öchsle…war um das Jahr 1900 eine undenkbare Größe” - ist dabei durch schon deutlich wahrnehmbare klimatische Veränderungen gefährdet und wird zunehmend selbst zur ökologischen Gefahrenquelle: Patzwahl zitiert das hysterischer Anwandlungen eher unverdächtige Umweltbundesamt, wonach sich schon kurz- bis mittelfristig trockenere Sommer bei steigender Neigung zu schnell ablaufenden, Erosion beschleunigenden Starkniederschlägen (bei fehlender Begrünung) abzeichnen. Zugleich dürfte der Winterniederschlag um 20% bis 30 % zunehmen - „mit regionalen Unterschieden in der Ausprägung, z.B. Unterfranken bis 70 %.” Dies geht einher mit einem Bewirtschaftungssystem, das durch „Flurbereinigungen oder dem zunehmenden Technikeinsatz” die Bodenqualität nicht selten „dergestalt beeinträchtigt, dass die betroffenen Standorte zunehmend trockener werden.” Wie das derzeitige „System Weinberg und der Traubenerzeugung” angepasst werden kann, „um längerfristig qualitativ hochwertig und nachhaltig wirtschaften zu können”, ist daher das Hauptthema dieses Buches. Vor diesem im Grunde dramatischen Hintergrund erläutert Patzwahl Planung, Vor- und Nachteile von Bewässerungsanlagen, die Zusammenhänge des Wasserflusses in einer Rebanlage und in der Rebe sowie qualitativ-sensorische Veränderungen bei Wassermangel im Stoffwechsel der Rebe. Die fachwissenschaftliche Abhandlung ist somit insgesamt ein hochaktueller Appell für einen intelligenteren Umgang mit der knapper werdenden Ressource Wasser auch im Bereich des Weinbaus - und somit letztlich ein informativer Beitrag zu einer veränderten Energie- und Klimapolitik: Eine Lektüre für konventionell wie ökologisch arbeitende Winzer ebenso wie für allgemein an Wein und Ökologie interessierte Leser.

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Wolfgang Patzwahl: Bewässerung im Weinbau. Ulmer: 2007, Stuttgart. 86 Seiten (mit 28 Schwarzweißfotos und -zeichnungen, 15 Tabellen). ISBN 978-3-8001-4944-5. 16,90 Euro.

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