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Das kleine Weingebiet im Norden der Lombardei und an der Grenze zur Schweiz hat eine urtalte Weinbautradition. Schon die Etrusker erkannten die Vorzüge dieses mit einer ungewöhnlich hohen Zahl von Sonnenstunden gesegneten Landstrichs am Südrand der Rätischen Alpen. Nicht wenige römische Dichter und Geschichtsschreiber rühmten die Weine von den Hängen des Adda-Tals und auch dem an der Gicht leidenden Feldherr Wallenstein, einem Trinker vor dem Herrn, wurden sie von seinem Leibarzt als einzige Ausnahme vom ansonsten strikten Alkoholverbot gestattet, eine Empfehlung, an die er sich angeblich bis zu seinem gewaltsamen Ableben hielt.

VIGNETI VALTELLINA piccolo (Quelle:Elio Della Ferrera)

Obwohl sich die zum Teil extrem steilen, terrassierten Weinberge in Höhenlagen von bis zu 800 Metern über dem Meer befinden, gelingt es dem hier Chiavennasca ("die hier wächst") genannten Nebbiolo-Stamm regelmäßig, voll auszureifen. Die hohen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sorgen jedoch dafür, dass die Weine selbst bei Alkoholgraden bis 13,5% nur selten schwer und behäbig wirken. Das komplexe Aroma, in dem neben dem Duft von eingekochten roten Beeren häufig auch Noten von getrockneten Rosenblüten und Veilchen, Tabak, süßen Gewürzen und Leder mitschwingen, die hohe Mineralität, das typische, feste Nebbiolo-Tannin und eine lebendige Säure verleihen den besten Weinen des Valtellina einen außergewöhnlichen Reiz. Dabei erweisen sie sich als überaus vielseitige Essensbegleiter, die nicht nur den örtlichen Spezialitäten (allen voran der köstlichen Bresaola, einem dem Graubündner Fleisch nicht unähnlichen, aber bedeutend weicheren, getrockneten Rindfleisch) perfekt zur Seite stehen.

Das Weingebiet erstreckt sich über eine großen Teil des Flusstales der Adda, das nahe der Nordspitze des Comer Sees beginnt und sich zunächst 50 Kilometer schnurgerade nach Westen erstreckt, bevor es nach Nordosten in Richtung der schweizer Grenze abknickt. Ein großer Teil der Rebfläche erbringt den einfacheren, gerne etwas bäuerlichen DOC Valtellina, der nur selten außerhalb des Gebietes anzutreffen ist. Die höheren Weihen sind dem Valtellina Superiore vorbehalten, der 1998 mit dem DOCG-Siegel geadelt wurde. Ein Teil der 500 Hektar Superiore-Rebfläche trennt sich wiederum in 4 Unterzonen - Grumello, Valgella, Sassella und Inferno - die auf dem Etikett angegeben werden dürfen. Inferno gilt hier als die heißeste, Sassella jedoch als die beste Zone, während Valgella nachgesagt wird, deutlich weichere und charmantere Weine hervorzubringen als die übrigen Gebiete. In der Praxis liegen die Divergenzen zwischen den Weinen zumeist eher im Stil der Produzenten begründet als in den tatsächlichen Unterschieden der einzelnen Lagen.

Eine Spezialität des Valtellina ist der Sforzato, auch Sfursat genannt. Die Trauben für diesen überaus gehaltvollen, oft mächtigen Rotwein werden vor der Gärung - gleich jenen für den Amarone - auf Strohmatten getrocknet. Der daraus produzierte Wein muss einen Mindestalkoholgehalt von 14% aufweisen, enthält aber in der Regel zwischen 14,5 und 15%. Doch selbst in dieser Gewichtsklasse wirken die Weine selten wirklich schwer. Sie verfügen im Gegenteil häufig über bedeutend mehr Eleganz und Feinheit als ihre venezianischen Anverwandten, was neben der geographischen Herkunft wohl auch der Noblesse ihrer Hauptrebsorte zuzuschreiben ist.

GRUMELLO piccolo (Quelle: Elio Della Ferrera)

Die Weine des Valtellina eignen sich nur selten für Wettbewerbe. Ihr im Grundsatz eher eleganter und feingliedriger Charakter lässt sie - den Sforzato einmal ausgenommen - in vergleichenden Proben gegenüber frucht- und alkoholstrotzenden Prestigeweinen berühmterer Anbauzonen oft alt aussehen, auch wenn sie deren Qualitätsniveau durchaus erreichen können. Wo dagegen probiert wird, piemonteser oder gar toskanischen Vorbildern nachzueifern - eine Versuchung der gerade die bekannteren Betriebe der Region gerne erliegen - geht der einzigartige Charakter des Valtellina hinter einem Schleier aus neuem Holz und plötzlich trockenen Tanninen (die natürlichen Tannine eines reifen Nebbiolo sind zweifellos sehr präsent, ihr Biss wirkt jedoch eher animierend als abstoßend, wie dies bei trockenen Holztanninen gern der Fall ist) schnell verloren oder wird dank überzogener Extraktion ins Groteske verzerrt. So kommt es, dass die beeindruckendsten, weil authentischen Weine nicht selten aus den Kellern weniger gerühmter Produzenten, kommen. Dazu gehören auch die Kellereien, die den größten Teil der Rebfläche bewirtschaften. Überhaupt lassen sich die abfüllenden Weinproduzenten im Valtellina beinahe an zwei Händen abzählen und auch die Zahl tatsächlich produzierter Weine bleibt stets überschaubar.

Produktionsregeln für die DOCG Valtellina Superiore:

Mindestalkohol: 11 natürlich (für die Unterzonen 11,5%), 12% gesamt.
Mindestsäure: 5g/l
Mindestextrakt (trocken): 23g/l
Rebsorten: mindestens 90% Chiavennasca, bis zu 10% andere "nichtaromatische" Rebsorten (Rossola, Pignola, Brugnola, aber auch Pinot Nero und Merlot)

Produktionsregeln für Sforzato di Valtellina:

Mindestalkohol: 14%
Mindestsäure: 5g/l
Mindestextrakt (trocken): 27g/l
Rebsorten: mindestens 90% Chiavennasca, bis zu 10% andere "nichtaromatische" Rebsorten

Die Verkostung fand blind in der Redaktion in Erlangen statt.

Leider sind die Verkostungen nicht mehr verfügbar

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