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Ein Toskana-Kochbuch? Keine eben neue Idee. Das Koch- und Lesebuch "Toskana - eine kulinarische Entdeckungsreise" von Yvonne Tempelmann und Dania Masotti ist allerdings richtig gut gelungen. Es macht Lust aufs Lesen, aufs Bilderansehen - und aufs kochen.

Die Toskana - Inbegriff von Italien, Genuss und Lebensfreude; Projektionsfläche eines besseren, langsameren Lebens für gestresste Manager, Politiker und auch sonst vom Berufsleben ausgezehrte Menschen. Gutes Essen und hervorragender Wein sind dabei wesentlicher Bestandteil des neuen Glücks. Die Region zwischen La Spezia, der Küste des Ligurischen Meeres bis östlich von Florenz und Siena hat schon kopfgesteuerte und einst ideologiefeste 68er wie Joschka Fischer und Otto Schily zur "Toskana-Fraktion" gemacht - zwar gaben sie knallhartes Politikdenken nicht auf, doch Supertoskaner und Edelitaliener gehörten fortan dazu. Immerhin ein Anfang.

Den "Mythos Toskana" nähren dutzende Koch-, Bild-, Wein- und Architekturbücher aller Formate und Qualitäten. Das kürzlich erschienene Koch- und Lesebuch "Toskana - eine kulinarische Entdeckungsreise" von Yvonne Tempelmann und Dania Masotti ist eines, das wirklich gelungen ist. Denn es fängt die Wärme, die Farbe und die Besonderheit der Landschaft, ihrer Menschen und der Küche ein, ohne in den verbreiteten Postkartenkitsch abzugleiten. Die Idee des Buches ist eine Rundreise quer durchs Land in 22 Stationen. Jeder Halt beschreibt ein Restaurant und seine für die Gegend typischen Gerichte samt seiner Rezepte. Allen ist gemein, was die toskanische Küche auszeichnet: Meist einfache Zutaten, traditionell komponiert, hoch aromatisch, hübsch auf dem Teller anzusehen - und dabei erstaunlich schlicht in der Zubereitung. Kein Chi-Chi, kein Luxus, kein Schnickschnack. Ob Kaninchen im Zwiebelbett, Kutteln in Rindfleischbrühe, frittierte Zucchini oder Knusperkörbchen mit Schlagrahm und Früchten - die rund 90 enthaltenen Rezepte gelingen auch nur durchschnittlichen begabten Köchen.

Entstanden ist das Werk aus der Zusammenarbeit der Autorin mit Dana Masotti, die seit über 20 Jahren Mitinhaberin und Küchenchefin des Restaurants "La Chiusa" in Montefollonico ist - eines der besten Häuser der Region. Die ersten beiden Kochbücher von Masotti waren sehr erfolgreich, und nun haben die beiden das Konzept erweitert und reisen in diesem Buch von Restaurant zu Restaurant. 

Die beschreibenden Texte zwischen den Rezepten sind angemessen, informativ, ohne nur die üblichen Klischees zu bedienen. Sie handeln von den Menschen, den Restaurantbesitzern und ihren Eigenarten, ihrem Charakter und dem Verständnis ihrer Küche. Dazu gibt es Aufklärung über die Formen des Essens, der dort üblichen Menüfolge, das Basiswissen zu Pasta und Soffrito. Die hervorragenden Fotos von Michael Wissing ergänzen diese Erzählweise aufs Beste: Schlicht, schön, voller intensiver Farben, aber wohltuend uninszeniert - eben wie die toskanische Küche selbst. Brotkrümel und Zahnstocher gehören auf den Tisch und damit aufs Foto; die Gabeln sind kein Luxusdesign, sondern aus der Spülmaschine. Trotzdem ist alles liebevoll arrangiert und ins Bild gesetzt.

So ist in schlicht-schönem Layout ein Buch entstanden, in dem an gerne blättert, liest und weiterliest - und dabei ziemlich schnell Lust bekommt, was draus zu kochen, auch wann man kein Dauergast in dieser Region ist. Bei mir jedenfalls gibt es heute Abend toskanisch.

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Yvonne Tempelmann, Dania Masotti, "Toskana - eine kulinarische Entdeckungsreise", AT-Verlag, 300 Seiten, ISBN: 3038003638, 49,90 €

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