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Das Muster beider CD-Ausgaben ist gleich: Taufig Khalil spielt den Hobbykoch und Moderator, der dem Profikoch plaudernd und fragend über die Schulter schaut. Es ist die Intention der Produzenten, dass in Echtzeit mitgekocht werden kann.

Jedes Gericht ist in 3 Kapitel aufgeteilt:

1) Einkaufsliste. Die gibt es zum Glück auch abgedruckt im beiliegenden sogenannten Booklet, man muss also nicht mitschreiben.
2)Vorbereitung. Hier sollen schon die Zutaten bereit liegen, die benötigten Gerätschaften werden aufgezählt, die Vorbereitungen wie Zwiebel schälen etc. (das sogenannte mise en place) werden erklärt.
3)Rezept in Echtzeit zum parallelen Nachkochen, einige wenige, nicht informative Abbildungen.


Eine kulinarische Weltreise

Schon in den Erklärungen des Moderators findet sich ein sprachlicher Leckerbissen der neuen Zeit. Er erklärt, wie die einzelnen Abschnitte getrennt werden: „Dazwischen ertönt ein „akustisches” Signal...” Was konnte der gebannt Zuhörende denn erwarten?  Ein visuelles Signal vielleicht, oder gar ein imaginäres? Was kann denn sonst „ertönen”?

Christian Müller war jahrelang der Chefkoch auf dem Kreuzfahrtschiff Deutschland, ja richtig, auf dem „Traumschiff”. Zweifelsohne ist er ein erfahrener und auch guter Koch. Aber er ist hörbar nicht gewohnt, seine Kochkünste einem Publikum zu vermitteln, noch dazu einem unsichtbaren. Manchmal kommen die Aufzählungen der Zutaten recht stockend, wirken viele der Erklärungen eher hölzern, man merkt, wie ihm der „Hobbykoch” immer wieder auf die Sprünge helfen muss. Dennoch ließen sich anscheinend manche sprachlichen und fachlichen eher amüsanten denn richtigen Formulierungen nicht vermeiden. Zum Beispiel: ”Wir nehmen Sie mit auf eine kulinarische Weltreise der verschiedenen Speisen”. Hoffentlich haben die Speisen ein gekühltes Zimmer für ihre Reise bestellt... oder: „Wir nehmen Thunfisch in Sushiqualität. Thunfisch in der Sushiqualität? Ja was ist denn das? (leicht stockend) Sushiqualität ist sehr mager und zum roh essen geeignet...” Dafür lernen nun japanische Sushimeister 4 Jahre.

Man hört auch eine Schneideanleitung, bei der sich, Überraschung!, herausstellt, dass der Koch Linkshänder ist, man muss also als Rechtshänder den Schnitt umdrehen. Vergnügen bereitet es, wenn man aus dem Lautsprecher vernimmt:  „Wir zeigen ihnen, wie man einen Teller anrichtet...”. Tja, sagte der Blinde, das muss man sich mal vor Augen führen. Oder: „Wir brauchen 4 Anissterne”, sollte wohl heißen: 4 Stück Sternanis. Das steht sogar in der Zutatenliste falsch.

Ein bisschen Wissen ist bei dieser CD auch nötig, weil z.B. bei den Thaireisnudeln nicht erklärt wird, dass man NICHT gesüßte Kokosmilch kaufen muss. Diese beiden CDs versprühen den spröden Charme der 60er Jahre, sowohl von der Moderation, wie auch von den Rezepten. Eindeutig auf das Publikum der Serie zugeschnitten, vermag sie dieses sicher in die große, weite, exotische Welt zu entführen, beim ambitionierten Hobbykoch ohne Serienvirus wird sich die Begeisterung eher in Grenzen halten.


Christian Henze: Mediterrane Spezialitäten

Schon etwas anders geht es da bei den mediterranen Spezialitäten zu. Bei diesen beiden CDs  ist das beigelegte Rezeptbüchlein liebevoller und informativer gestaltet. Unter anderem bekommt man eine Kurzerklärung des Aufbaues und eine kleine Vorstellung des Koches.

Bei Henze sind die Erklärungen nur ganz zu Beginn ein wenig gezwungen, sie sind genauer und wirklich abgestimmt auf wenig geübte Laien. Man merkt, dass der Koch gewohnt ist, vor Kamera und Menschen zu arbeiten, denen man in kurzer Zeit relativ viel Inhalt vermitteln muss. Er lässt aber auch ein wenig Spielraum für den Zuhörer, lacht auch mal, wirkt einigermaßen entspannt, man fühlt sich nicht allzu sehr gegängelt, sondern eher angeleitet. Wer Lafer mag, wird Henze lieben, der Tonfall und manche Wendungen erinnern stark an die Kochikone. Die Kochzeiten von 15 bis 26 Minuten sind für diese Art von Gerichten realistisch. Henze bestreitet fast die gesamte Moderation, macht das recht locker und lässt den Moderator verstummen. Eine Hörveranstaltung, die den professionellen Fernsehsendungen an sich in wenig nachsteht. Die Optik natürlich vermisst man, aber in den meisten Küchen gibt es zwar einen CD-Player, aber noch keinen Fernseh- oder Computerschirm.

Dennoch fragt man sich unwillkürlich, was es denn eigentlich soll. Draußen sitzen die Gäste, aus der Küche tönt das muntere Geplauder des Scheibenkoches und im Takt dazu klappert die(der) schwitzende GastgeberIn mit Topf und Pfanne. Gespannt und ergriffen lauschen die Gäste, wie ihr nächster Gang entsteht, nur hin und wieder von Hand unterbrochen, weil auf der Scheibe alles schneller geht als im wirklichen Küchenleben. Der rote Kopf ist dem häuslichen Koch auch sicher, weil ja nie etwas so klappt, wie es angeleitet wird. Wie will man lässig „das gehört so, ist eben raffiniert, echt lecker” hinwerfen, wenn der Profi gerade eben ganz was anderes vorsagte?

Was die Rentabilität angeht, wenn man den Gag- und Spaßfaktor weglässt, sieht es recht düster aus. Hochgerechnet auf die Anzahl der Rezepte in einem normalen Kochbuch, erscheinen plötzlich Dieter Müllers grandioses Werk als lächerlich billiges Schnäppchen und Ferran Adrias optisch und preislich gewaltige Wälzer als richtig wohlfeil.

Resumee: teilweise nett gemacht, teilweise unfreiwillig etwas komisch, hat dafür was leicht Kultiges, als Partykochspaß hervorragend, echter Gebrauchswert eher gering.

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