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Im Aero-Club de Paris, einen Katzensprung vom Arc de Triomphe, hatte Le Quatour de Listrac zu einer Vertikale der letzten zehn Jahrgänge geladen - eine Premiere. Die vier sich gemeinsam präsentierenden Châteaux Fonréaud und Lestage, Fourcas Dupré und Fourcas Hosten stellen mit ihren 175 Hektar Rebflächen ein gutes Viertel der 670 Hektar großen Appellation Listrac-Médoc. Diese ist eine der sechs kommunalen Appellationen der Halbinsel nördlich von Bordeaux, die von Pauillac, Saint-Julien und Margaux angeführt werden. Listrac ist die am weitesten von der Gironde entfernt liegende und damit kühlste Appellation und grenzt an das sich im Westen anschließende Waldgebiet.

Mit dem 43 Meter hohen Puy de Menjon besitzt Listrac die höchste Erhebung des Médoc, eine von drei Kuppen, die aus von den Pyrenäen heran geschwemmten Kieselsteinen bestehen, während die vierte Kiesablagerungen der Garonne zu verdanken ist. Das Zentrum des Gebiets wird durch ein lehmhaltiges Kalkplateau gebildet, auf dem der Merlot gut gedeiht, während die Kuppen mit ihrem Gefälle geeignete Voraussetzungen für  Cabernet Sauvignon bieten.

Le Quatour de Listrac

Jedes der vier Châteaux wurde bereits 1932 als Cru Bourgeois Supérieur eingestuft, was die neue Klassifizierung von 2003 bestätigte. Die Châteaux  Fonréaud und Lestage gehören der Familie Chanfreau und werden heute von Jean Chanfreau und seiner Schwester Caroline Chanfreau-Philippon bewirtschaftet. Im Wein des ersten, zu dem 32 Hektar Reben auf der Südseite des Puy de Menjon gehören, behauptet der Cabernet Sauvignon eine leichte Dominanz, im zweiten, das auf seinen 42 Hektar auch über tonkalkige Parzellen verfügt, führt der Merlot in der Assemblage. In beiden geben 3%, bzw 2% Petit Verdot zusätzliche Würze, 2% Cabernet Franc runden den Mischsatz von Lestage ab. Das Durchschnittsalter der Rebstöcke liegt bei beiden um 30 Jahre, die Pflanzdichte beträgt  6.666 Stöcke pro Hektar. Beide Weine werden 12 Monate lang in Barriques ausgebaut, zu 30-33% in neuem Holz.  

Die anderen beiden Châteaux, Fourcas Dupré und Fourcas Hosten, haben mit ihren 46, bzw. 46.7 Hektar Anteil an den Lagen des Weilers Fourcas, der für feste, gut alternde, in der Jugend oft etwas verschlossene Weine bekannt ist. Dupré wird von Patrick Pagès geleitet, der sich gemeinsam mit Peter M.F. Sichel, dem in New York lebenden Weinhändler deutscher Abstammung, auch um Hosten kümmert. In beiden Weinen tragen Cabernet Sauvignon und Merlot zu gleichen Teilen zur Assemblage bei - jeweils 44%, bzw 45% - und werden durch 10% Cabernet Franc ergänzt. Fourcas Dupré weist außerdem noch 2% Petit Verdot auf.

Die Bestockung ist auf beiden Gütern 25 Jahre alt, die Pflanzdichte beträgt zwischen 8.000 und 10.000 Reben pro Hektar. Der Ausbau erstreckt sich ebenfalls über 12 Monate, kann sich bei Fourcas Dupré aber bis auf 18 Monate ausdehnen; jeweils ein Drittel der Fässer werden pro Jahrgang erneuert.

Patrick Pagés (Fourcas Dupré und Hosten)% Peter M. Sichel (Fourcas Hosten)% Caroline Chanfreau Philippon und Jean Chanfreau (Lestage und Fonréaud)

Hitliste der Jahrgänge

Die Vertikale der Jahrgänge 1995 bis 2004 gab reizvolle Aufschlüsse über die Qualität der Jahrgänge in Listrac und im Médoc im Allgemeinen, sowie über das Niveau und den Stil der vier Châteaux im Einzelnen. Zwei Jahrgänge boten die wirklichen Höhenflüge der Verkostung: 2000 und 1996

2000 beweist seine Größe mit sehr dichten, komplexen Weinen, die noch viel Potenzial besitzen, aber sich jetzt zu öffnen beginnen. 1996 verfügt über eine klassische Struktur, zu der auch ein Hauch Unreife und damit Frische beiträgt, die sich jetzt harmonisch integriert, aber noch weitere Entwicklung garantiert.

Ihnen folgten mit etwas Abstand 2004 (Fassproben), 1995 und auf fast gleichem Niveau 1998 und 1999. 2004 besticht mit köstlicher Frucht, reifen Tanninen, guter Ausgewogenheit und viel Potenzial. 1995 zeigt sich harmonisch und reif und verlangt beim Terroir von Fourcas noch etwas zusätzliche Flaschenreife. Bei 1998 und 1999 tritt die eher straffe Tanninstruktur der Listrac-Weine heraus, die weiter reifen muss, während das Bouquet in beiden Jahren gute Intensität und reife Beerenfrucht zum Ausdruck bringt.

Platz 7 bis 9 entfielen auf 1997, 2003 und 2001, während 2002 das Schlusslicht abgab. Jahrgang 1997 hat seinen Höhepunkt erreicht, bietet meist Harmonie, aber bereits leicht trockene Tannine. 2003 zeigt sich zwar voll und kräftig, aber auch schwer und unausgewogen; es bleibt abzuwarten, was seine Entwicklung bringt. 2001 ist heterogener mit intensiver Frucht, aber in der Regel meist leichterer Struktur. 2002 mangelt es deutlich an Struktur und die Tannine sind unangenehm trocken.   

Solide Qualität

In der Gesamtwertung liegen die vier Châteaux sehr eng beieinander und weisen alle ein gutes Alterungs-potenzial auf. Doch es gibt Unterschiede. Fonréaud, das in meiner Wertung den ersten Platz eroberte, besitzt die elegantesten Tannine der vier, aber auch Komplexität, Rundheit und reife dunkle Cassisfrucht. Es stellte 2000 den besten, 1996 den zweitbesten Wein und verzeichnete den geringsten Abfall in schwächeren Jahren.

Knapp darauf folgt Lestage, das Gut mit dem höchsten Merlot-Anteil. Daher kommen sein Charme, die saftigen Fruchtaromen und die feinen Tannine. Sehr überzeugend 2000, belegte es 1998, 2004 und 2003 den vordersten Rang, aber der 2001 enttäuschte dieses Mal, vor einem Jahr hatte er mir besser gefallen.

Fourcas Dupré ist Lestage auf den Versen, doch mit einem anderen Stil, den die präsenten, manchmal etwas groben Tannine und die gute Struktur bestimmen. Im schwierigen Jahr 2001 überzeugt es ebenso wie 2000, 1996 und 1998.

Wie sein Terroir-Gefährte benötigt auch das dicht nachfolgende Fourcas Hosten Zeit zur Reife, jung wirken seine Tannine spröde und vereinen sich erst spät mit denen des Eichenholzes, aber Hosten entwickelt mit dem Alter große Vielfalt und  Würze. Superbe 1996, überzeugt es besonders 2000 und 2004, aber enttäuschte ebenfalls 2001.   
 
Die schwierigen - und jetzt eher schwer zu verkostenden - Jahrgänge 2002, 2001 und 2003 verschleiern die Tatsache, dass die vier Châteaux - und viele Güter im Bordelais - in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte machten, insbesondere was den genauen Zeitpunkt der Traubenreife und ihre Selektion betraf. Dies kam ihnen beim sehr guten 2004 zu gute. Dadurch hat die Frucht und die Rundheit gewonnen, oft unterstützt durch eine, der Gärung vorangehenden, kalte Maischung. Die Stärke der Listrac-Weine liegt eindeutig in ihrer Tanninstruktur, die sie zu komplexen und eleganten Rotweinen heranreifen lässt.
 

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