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Eigentlich ist ein Salon das Empfangs- oder Gesellschaftszimmer eines bürgerlichen Hauses. Seit dem 17. Jahrhundert steht der Salon aber auch für entscheidende Entwicklungen in der Literatur, Kunst, Philosophie und Politik. Ja, selbst in der Weinwelt ist ein „Salon” mehr als nur eine Ausstellung: nämlich Diskussionsforum, Präsentation von Ideen, Versammlung Gleichgesinnter.

Tatsächlich sind die „Salons des vins des Vignerons Indépendants” nicht einfach Weinmessen, wie es so viele gibt. Es sind vor allem Denkweisen im Weinanbau, die hier präsentiert werden. Eine Charta mit neun Grundregeln verbindet den großen Verband. Es sind zwar eher Schlagworte als Regeln, welche die Weine grundlegend verbessern könnten. Da heißt es unter anderem: „Der Winzer respektiert sein Weingut, bearbeitet seine Reben, erntet seine Trauben, keltert seinen Wein und baut ihn aus... ”. Eigentlich selbstverständlich! Besonders wichtig ist aber die letzte Satzung: „Der Winzer empfängt die Kunden, berät bei der Weinprobe und freut sich, das Ergebnis seiner Arbeit und des Anbaus vorzustellen.”

Der "salon" in Strasbourg ist eine Publikumsmesse

Die „Salons des Indépendants” sind deshalb eher Verkaufs- als Präsentations-, oder gar Fachmessen. Das heißt: Sie sind frei zugänglich. Nur einmal im Jahr, im Februar, unmittelbar vor Strasbourg findet in Paris eine reine „Fachmesse” statt, nur für die „Professionellen”. Strasbourg, Rennes, Bordeaux, Lyon, Lille, Reims und zwei weitere Messen in Paris sind dem breiten Wein-Publikum zugänglich. Hier präsentieren sich Winzer „zum Anfassen”, deren Weine man trinken darf, auch ohne die große Weinphilosophie zu beherrschen. In den allermeisten Fällen sind die Winzerinnen und Winzer selber da, nicht ihre Verkaufsmanager, Ökologen, Betriebsangestellten. Sie laden die Menschen ein, ihre Weingüter zu besuchen, sie stehen fast pausenlos am Stand und verstecken sich nicht in abgeschirmten Ecken und Séparées. Die Weine kann man kaufen und mitnehmen. So macht denn auch der Verkäufer von kleinen, zusammenlegbaren Handkarren (Chariot) wohl den größten Umsatz.

Am meisten verkauft: Handkarren
Für die vielen Besucher aus Deutschland versucht mancher Winzer deutsch zu sprechen, was für Franzosen schon fast einer Liebeserklärung gleichkommt. Wenn es um klangvolle Begriffe geht, sind sie selten verlegen: „le vin a un visage”, sagen sie und meinen damit, hinter den Weinen stehen Menschen, die produzieren, verbessern, die von und für ihre Reben leben, die an ihre Produkte glauben, sie zur Diskussion stellen und - natürlich auch verkaufen möchten. An keiner andern Weinmesse habe ich dies so direkt, so unverkrampft und offen erlebt. Dies macht die Weinmesse - pardon: den Salon in Strasbourg so einmalig, irgendwie anders, trotz aller Geschäftstüchtigkeit: maßvoll, menschlich.

Auch dies gehört zum Erlebnis Wein, nicht nur die erspürte Qualität, die mit den Sinnen zu erforschen ist. Es präsentierten sich in Strasbourg immerhin 500 Weingüter, fünfhundert von insgesamt rund 38.000 „Unabhängigen”, die zusammen 1/3 aller Weinproduzenten in Frankreich ausmachen. Wenn die Gespräche zu Ende sind, das Geschäft gemacht ist (oder auch nicht), tauchen immer wieder die Leitbegriffe der „Unabhängigen” auf: „indépendance, autonomie, responsabilité”. Das klingt schon ganz ähnlich wie „liberté, egalité, fraternité”, die drei Grundwerte, mit der sich seit der Französischen Revolution la „grande Nation” definiert, ein Land, dessen Weinkultur eigentlich auch zum Selbstverständnis gehört. Warum sollen da die Winzer bescheidener sein?

Ganz herzlich

Ihr/Euer

Peter (Züllig)

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