Dem Relaunch im März und den damit verbundenen Mühen und Unwägbarkeiten ist es geschuldet, dass wir unsere Kollektionen und Entdeckungen des Jahres heuer erst reichlich spät veröffentlichen können.

Wie früher bereits angekündigt, geht es bei den “Kollektionen des Jahres” nicht mehr in jedem Fall um den Betrieb mit der absolut besten Serie im jeweiligen Gebiet. In manchen Regionen führte das in der Vergangenheit zu vielen Wiederholungen; sowohl bei den Lesern als auch bei den Produzenten selbst verloren die immer wiederkehrenden Titel langsam verständlicherweise an Wert. Heute vergeben wir die Auszeichnung auch an jene Weingüter, die uns zuletzt besonders positiv aufgefallen sind und die uns mit besonders eigenständigen Weinen und Sortimenten überzeugen - und von denen wir sicher sind, dass sie dabei sind, sich in der absoluten Gebietsspitze etablieren.

Die “Entdeckung des Jahres” wird an jene Weingüter verliehen, die uns im jeweiligen Gebiet zuletzt durch den größten Qualitätssprung aufgefallen sind und die wir jedem Weinfreund, der neue, noch nicht überall bekannte Spitzenwinzer kennenlernen will, nur ans Herz legen können.

Ahr

Kollektion des Jahres: Weingut Kreuzberg

Wer bei Kreuzberg nur auf die Spitzenweine achtet, verpasst etwas. Denn schon an der Basis sind die roten Burgunder hier stets bemerkenswert, manchmal sogar schon außergewöhnlich gut. Hier kann man blind kaufen, man wird kaum je eine Enttäuschung erleben.

Baden

Kollektion des Jahres: Dr. Heger

Das Weingut Dr. Heger hat sich in den letzten Jahren noch einmal merklich gesteigert. Spätburgunder und Chardonnay gehören zum absolut Besten, was man im Land finden kann, Weiß- und Grauburgunder sind durchweg exzellent und auch bei Riesling oder Muskateller muss man Heger sehr ernst nehmen. Dazu kommen die besten Silvaner Badens. Mindestens. Eine makellose Vorstellung.

Entdeckung des Jahres: Sven Nieger

Sven Niegers Rieslinge dürften in ihrer absolut kompromisslosen, herben, manchmal auch wilden, dabei immer fast völlig fruchtlosen Art ziemlich polarisieren. Wer geradlinigen, fruchtbetonten Riesling schätzt, wie er in Deutschland überall zu finden ist, wird wohl eher abgeschreckt. Die Vorbilder sind hier klar französischen Ursprungs, die Weine komplex und anspruchsvoll. Man muss sich Zeit für sie nehmen. Das ist ein Befehl.

Franken

Kollektion des Jahres: Weingut Hans Wirsching

Wirsching ist schon sehr lange ein Flaggschiff des fränkischen Weinbaus, aber unter dem neuen Kellermeister Dr. Klaus-Peter Heigl scheinen die Weine noch einmal an Finesse gewonnen zu haben. Selbst die Einstiegsweine haben hier schon eine gewisse Klasse. In der Spitze kommt man an Wirsching ohnehin nicht vorbei.

Entdeckung des Jahres: Ökologischer Weinbau Kraemer

Hermann und Stephan Krämer produzieren Weine weit abseits des Mainstreams: herb, charakterstark und eigenwillig. Alles Bio und mit möglichst wenig Schwefel, dafür reichlich Griff und Biss. Das mag nicht jedem schmecken, aber nach besseren Silvanern oder Müller-Thurgau muss man lange suchen.

Mosel

Kollektion des Jahres: Fritz Haag

Ob trocken, süß oder edelsüß: Oliver Haags Rieslinge sind heuer überall ganz vorne dran. Eine umwerfende Kollektion brillanter Spitzenrieslinge, wie sie auch an der Mosel in dieser Bandbreite sehr, sehr selten anzutreffen ist.

Entdeckung des Jahres: Lubentiushof

Andreas Barth produziert auf seinem eigenen Weingut (er ist zudem Kellermeister bei von Othegraven) ganz und gar eigenständige, ausgesprochen charaktervolle, überwiegend trockene Rieslinge, die inzwischen zum besten gehören, was man an der Mosel finden kann.

Nahe

Kollektion des Jahres: Weingut Schäfer-Fröhlich

Tim Fröhlich machte es uns heuer leicht, uns für ihn zu entscheiden: seine brillante Serie trockener und edelsüßer Rieslinge verschlägt einem schier die Sprache. Sie krönt die Entwicklung der letzten Jahre, die das Gut nicht nur an der Nahe ganz nach vorne brachte. Schon die Aufstufung auf W+++ und damit zum Weltklasse-Erzeuger trug dem Rechnung. Die Kollektion des Jahres ist da nur die logische Konsequenz.

Entdeckung des Jahres: Weingut Sinß

Die aktuelle Serie ist entschieden die feinste, die wir von Sinß bislang probieren durften. Die Rieslinge überzeugen trocken und süß gleichermaßen, aber den größten Sprung hat das Gut zuletzt wohl bei den Spätburgundern gemacht.

Pfalz

Kollektion des Jahres: Wageck-Pfaffmann

Thomas Pfaffmann hat die Wageck-Linie des Hauses in den letzten Jahren Zug um Zug näher an die Gebietsspitze herangebracht. Die fast durchweg herben, oft jung noch deutlich hefegeprägten und etwas unzugänglichen Weine entwickeln sich eher langsam, lohnen aber das Vertrauen, das man in sie setzt, durch Tiefe, Charakter und Eleganz. Heute beherrschen nur wenige Betriebe in der Pfalz die ganze Bandbreite vom Riesling über rote und weiße Burgundersorten bis hin zum Sekt auf gleichbleibend so hohem Niveau.

Entdeckung des Jahres: Oliver Zeter

Oliver Zeter wird man im Auge behalten müssen. Schon dass er Viognier produziert, für den man auch an der Rhone Lorbeeren bekäme, ist mehr als nur bemerkenswert. Aber auch sonst merkt man seinen Weinen an, dass sich Zeter gern in Richtung unseres Nachbarlandes orientiert. Mit Erfolg: Sauvignon, Riesling, Chardonnay, Chenin Blanc, aber auch weiße Cuvées sind immer wieder ausgezeichnet.

Rheingau

Kollektion des Jahres: Balthasar Ress

Die Entwicklung, die das Weingut unter Christian Ress und Betriebsleiter Dirk Würtz innerhalb nur weniger Jahre genommen hat, ist mehr als erstaunlich. Heute ist der große Betrieb eines der Flaggschiffe der Region, seine Rieslinge und Burgunder gehören zu den absolut besten im Land. Auch in Sachen Orange hat das Gut die Nase weit vorn. Und niemand sollte erwarten, dass man sich hier auf den Erfolgen ausruht.

Entdeckung des Jahres: Bibo & Runge

Walter Bibo war lange Zeit Direktor von Schloss Reinhartshausen, bevor er beschloss, zusammen mit Kai Runge noch einmal ganz von vorn anzufangen. Das Projekt besteht erst seit 2013 und hat noch nicht einmal eigene Weinberge, aber einen eigenen Weinstil gibt es bereits: ernsthaft, griffig, komplex und eher mineralisch als fruchtig. Der Rheingau ist längst nicht mehr so verschlafen, wie ihm nachgesagt wird. Und Bibo & Runge haben gar keinen so kleinen Anteil daran.

Rheinhessen

Kollektion des Jahres: Weingut Schätzel

Kai Schätzel ist zweifelsohne eine Bereicherung für die Rheinfront. Dabei sind seine ziemlich kühl wirkenden, jung betont hefigen und oft zunächst eher unruhigen, häufig ausgesprochen alkoholarmen Weine eher ungewöhnlich für den roten Hang. Doch man darf hier Leichtigkeit nicht mit Substanzarmut verwechseln: die Rieslinge und Silvaner des Hauses sind durchweg komplex, fest und ausdrucksstark.

Entdeckung des Jahres: Weingut Bischel

Christian und Matthias Runkel gehören zu einer neuen Generation Rheinhessischer Spitzenwinzer, von denen wir noch viel hören werden. Schon heute zählen Silvaner oder Sauvignon zur Gebietsspitze, mit den Burgundersorten (rot wie weiß) und Riesling ist man nahe dran. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, fällt der Verdacht nicht schwer, dass es hier noch weiter aufwärts gehen wird.

Württemberg

Kollektion des Jahres: Weingut Gerhard Aldinger

Gerd Aldinger führt heute zusammen mit seinen Söhnen Hans-Jörg und Matthias einen ziemlich kompletten Betrieb mit Weinen aus einer großen Bandbreite an Rebsorten, von denen sie alle zu beherrschen scheinen. Das gleiche gilt für verschiedene Ausbaustile, wie der grandiose Sauvignon “Ovum” oder auch der völlig kompromisslose Trollinger “sine” beweisen. Eine Überraschung haben wir dieses Jahr bei allen Gewissheiten dennoch erlebt: eine Reihe Edelsüßer, wie man sie in dieser Klasse im Gebiet nicht oft finden kann.

Entdeckung des Jahres: Weingut Knauß

Ein Weingut, das man im Auge behalten sollte. Nicht nur die inzwischen erstaunlich eleganten und feinen Rotweine verdienen Aufmerksamkeit, auch die Weißen besitzen immer wieder Klasse - und das bei Burgundersorten, Sauvignon und Rieslingen gleichermaßen. Nicht zu vergessen den herrlichen, knochentrockenen Schwarzriesling-Sekt!

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