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Schon der Jahrgang 2001 brachte in Deutschland eine bis dahin noch nicht da gewesene Fülle sehr guter bis erstklassiger trockener Rieslinge hervor, von denen sich einige auch mit den besten Weinen aus den klassischen Hochburgen für trockene Rieslinge in Niederösterreich messen konnten. Das machte eine eindrucksvolle Vergleichsverkostung mit den Jahrgangsspitzen unserer österreichischen Nachbarn deutlich, die sich 2001 ebenfalls über einen großartigen Jahrgang freuen konnten.

Fast genau ein Jahr später stand am 12. Dezember der aktuelle Jahrgang mit insgesamt rund 40 Weinen aus Deutschland und Österreich im perfekt eingerichteten Verkostungsraum des Weinguts Ebling-Windisch im Rheinhessischen Wallertheim bereit, um sich dem kritischen Urteil einer illustren Runde aus Winzern, Weinjournalisten, Sommelliers, Händlern und Weinliebhabern zu stellen.

2002 war keineswegs ein schlechtes, aber zumindest in Deutschland nominell dennoch ein schwierigeres Jahr. Um so erstaunlicher sind die Ergebnisse, die in der Spitze das Vorjahr noch übertreffen. Sie sprechen klar für die Dynamik, mit der die Entwicklung dieses in Deutschland lange stiefmütterlich behandelten Weinstils voranschreitet.

Dafür sprechen auch neue, junge und bislang völlig unbekannte Talente, die den etablierten Betrieben schon nach wenigen Jahrgängen frech die Stirn bieten. Oliver Spanier vom Weingut Battenfeld-Spanier in Rheinhessen und Tim Fröhlich vom Weingut Schäfer-Fröhlich an der Nahe standen in der Verkostung stellvertretend für eine äußerst vielversprechende junge Winzergeneration. Vor allem Spaniers Frauenberg sorgte dabei für spontanen Beifall bei allen Beteiligten.

Doch auch in Österreich sorgen vor kurzem noch kaum bekannte Produzenten für Aufsehen: Obwohl man ihn nicht mehr zu den ganz jungen Weinmachern zählen kann, ist Kurt Angerer doch ein ziemlich frischer Name in der Kamptaler Weinszene. Um so erfreulicher das exzellente Abschneiden seines Donatus, mit dem Angerer beweist, dass er nicht nur den Umgang mit Grünem Veltliner perfekt beherrscht.

In der absoluten Spitze sind die Wachauer Smaragde zwar immer noch ein unverzichtbarer Gradmesser, aber längst ist die Wachau nicht die einzige Quelle für große trockene Rieslinge in Österreich. Vor allem im Kamptal wächst die Zahl der Erzeuger, die das Potential zu nutzen verstehen, stetig, während sich die alteingesessenen Weinproduzenten offenbar sogar noch zu steigern wissen. Paradebeispiel hierfür ist der sagenhafte Lyra von Willi Bründlmayer, der seine ohnehin beeindruckenden Vorjahrgänge noch einmal in den Schatten zu stellen scheint, und auch Loimers Steinmassl steht seinem grandiosen Pendant aus 2001 nicht nach.

In der Wachau selbst entstanden im Vergleich zu 2001 Rieslinge, die, ohne auf die typische, extrem präsente Mineralik zu verzichten, doch zumeist entschieden fruchtbetonter auftreten, was ihnen bei der Verkostung einen wesentlich besseren Stand verschaffte, als dies im letzten Jahr der Fall war. Damals präsentierten sich die meisten Wachauer vollkommen verschlossen und so unnahbar, dass sie teilweise überhaupt nicht sinnvoll bewertet werden konnten. Diesmal schien allein Emmerich Knoll etwas außer Form zu sein, während vor allem Prager, F.X. Pichler und der immer noch oft unterschätzte Rudi Pichler mit genialen Weinen auftrumpften.

So weit der Rhein, so nah der Wein, könnte man sagen, wenn man sich die Ergebnisse der deutschen Produzenten in diesem freundschaftlichen Vergleich ansieht. Nicht selten war bei den, immer paarweise mit je einem Wein aus Deutschland und Österreich, ausgeschenkten Proben die Bestimmung der Herkunft schwierig bis unmöglich. So manches eindeutig der Wachau zugeschriebene Terroir befand sich nach Aufdeckung dann doch in Sichtweite zum Rhein. Auch qualitativ standen die einheimischen Spitzengewächse den beeindruckenden Österreichern in nichts nach. Exakt die gleiche Anzahl Weine aus beiden Ländern schaffte mit Wertungen zwischen 95 und 100 den Sprung in die Königsklasse der größten Weine der Welt. Dabei schob sich keine Region auffällig in den Vordergrund. Bassermann-Jordan und Rebholz aus der Pfalz, Künstler aus dem Rheingau, Emrich-Schönleber von der Nahe sowie Keller und Wittmann aus Rheinhessen - Letzterer übrigens neben F.X. Pichler als Einziger mit zwei Weinen - teilten sich die Plätze im Thronsaal.

Die Enttäuschungen des Abends hatten weniger mit den Weinen selbst zu tun, als mit ihren Verschlüssen. Da aufgrund der hohen Teilnehmerzahl von vorneherein zwei der pro Wein insgesamt drei vorhandenen Flaschen geöffnet und dekantiert wurden, fielen Flaschenschwankungen und auch "schleichende" Korkschmecker unserem Serviceteam sofort auf. Rund 30% aller Flaschen präsentierten sich demnach nicht einwandfrei, hatten mehr oder weniger deutliche Korkschmecker oder erwiesen sich als müde, stumpf oder eben nur deutlich verhaltener als die jeweilige Zweit- oder Drittflasche. Bei einigen Weinen waren alle 3 Flaschen betroffen und selbst unter den schließlich ausgeschenkten Proben fanden sich welche, die manchen Teilnehmern von früheren Verkostungen erheblich besser in Erinnerung waren. Zwar kann im letzten Fall durchaus auch eine ungünstige Entwicklungsphase für den etwas gedämpften Geschmackseindruck verantwortlich sein, doch überall dort, wo deutliche Flaschenschwankungen auftraten, liegt auch bei nicht eindeutig korkkranken Weinen der Verdacht einer Beeinflussung durch den Verschluss nahe. Leider stellt sich angesichts einer solch hohen Anzahl betroffener Flaschen die Frage, wie zuverlässig eine Beurteilung von Weinen noch sein kann, wenn der Verschluss ein derart hohes Risiko birgt das Ergebnis zu verfälschen. Wieviele Weine werden wohl jährlich zu unrecht schlecht beurteilt weil ein fehlerhafter Korken das Ergebnis verfälscht?

Man reagiert ja schon bald hysterisch: bei einem Wein in der Probe, der wieder einmal so gar nicht nach einem der besten Rieslinge der Welt schmecken wollte, wurde - auch von mir - ohne Kenntnis des Produzenten auf "schleichenden" Kork getippt. Immerhin stellten wir fest, dass auch die Konterproben nicht anders schmeckten. Das wäre auch schwer zu erklären gewesen. Es war der einzige Wein mit Schraubverschluss.

Die Probe fand am 12. Dezember 2003 in den Präsentationsräumen des Weinguts Ebling-Windisch im rheinhessischen Wallertheim statt. Alle Weine wurden vor der Probe dekantiert und aus neutralen Karaffen ausgeschenkt. Stets wurden so ein deutscher und ein österreichischer Riesling parallel blind probiert. Die Wertungen und Beschreibungen stammen von mir selbst, eine Jurywertung wurde nicht ermittelt. Weine mit drei Korkschmeckern und solche, die erhebliche Zweifel am Zustand der Proben aufkommen ließen, werden nicht aufgeführt. Dem eher sportlichen Charakter der Probe folgend, habe ich auf die Angabe exakter Punktwerte verzichtet.

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