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Die Mienen der vier Arbeiter einer nahe des Restaurants Avenida gelegenen Schlosserei schienen sich dem Wetter angepasst zu haben: zerknirschte Gesichter und herunterhängende Mundwinkel machten den tiefstehenden Wolken, aus denen schon seit Sonntagabend all das auf die kleine Ortschaft Bullas im sandigen Hinterland von Murcia herniederprasselte, was der Herrgott in den letzten vier Jahren vergessen zu haben scheint, ernsthafte Konkurrenz. Aber wahrscheinlich ist der Grund für den so gar unspanischen Gesichtsausdruck nicht das Wetter, sondern der Wochentag. Es ist Montag. Und montags gibt es im Avenida, gelegen im Erdgeschoß eines zweistöckigen Gebäudes mit straßenzugtypischer dunklen Fassade, nun einmal Hühnersuppe. Jeden Montag. Und danach Stockfisch, frischen Stockfisch in Teighülle, ein Gericht, welches die Älteren wohl noch von den Jahrmärkten des vergangenen Jahrhunderts kennen: damals hieß es einfach Backfisch. Die Gespräche kreisen um Fußball, Spanien hatte wenige Tage zuvor in einem heroischen Kraftakt Dänemark niedergerungen, um Politik, „Zapatito a sus Zapatos", diese Gegend ist eine der wahrlich konservativen des Landes, sowie um die 41 Millionen Euro, die eine Tippgemeinschaft des Schinkendorfes Guijuelo an diesem Wochenende einheimste. Es geht wohl immer um die gleichen Dinge, denn das Leben ist ein geregeltes, hier, im besinnlichen Hinterland einer quirligen Küstenregion, die man bequem binnen einer Stunde mittels der jüngst fertiggestellten Autobahn erreichen kann. Das andere Ende der Autobahn ist noch offen. Derzeit endet sie nur wenige Sonnenstrahlen westlich der Region Bullas im Niemandsland, zwischen Bergen und Schafen und Schafen und Bergen. Auch das Leben von Antonio und María José ist ein Geregeltes.

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