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Chianti von SchulerAb und zu lässt man sich verführen. Dieser Wein – ich gebe es zu – ist das Werbegeschenk einer grösseren Weinhandlung der Schweiz, die sich seit 1988 (also seit 25 Jahren) auf diesem alten italienischen Weingut direkt engagiert und da auch viel investiert hat. Es ist also – sozusagen – ihr eigenes Weingut. Da das Weinhaus den Ruf einer intensiven, mitunter aggressiven Werbung hat, ist es nicht verwunderlich, dass auch eine Flasche ihres „eigenen“ Weins in meinem Keller landete. Eigentlich gehe ich allen Werbegeschenken konsequent aus dem Weg. Ich möchte in meiner Beurteilung unabhängig sein, selber bestimmen, welchen Wein ich trinke und ein „Getrunken“ schreibe. Wenn ich hier trotzdem eine Notiz anbringe, dann nicht weil der Wein sensationell gut ist - nur gut, ohne „sensationell“ – , sondern weil er (bei mir) den „Chianti-Test“ bestanden hat. Es ist ein Wein, der traditionellen Art, und doch von einer Qualität, die beeindruckt. Es nämlich so, dass in früheren Jahren allzu viele belanglose, ja „miese“ Chianti auch in die Schweiz geschleudert wurden, dass sein Ruf hier (leider nicht nur hier) stark angekratzt ist. Natürlich gibt es ein paar Top-Chiantis, die sind aber – nach meinen Erfahrungen – längst nicht mehr authentisch, vielmehr aufgepäppelt, um dem Ansturm der Assemblagen der Supertoskaner die Stirn zu bieten. Wo aber ist der „echte“ Sangiovese – die meist angebaute Rebsorte in Italien – geblieben? Ich weiss, ich habe ihn nicht gesucht. Vielleicht sollte ich! Doch ich habe kaum eine andere Erfahrung, als die Zeitschrift „Merum“ unter dem Titel „Banges Hoffen auf neue Blüte“ (der Artikel ist auch im Magazin www.wein-plus.eu abzurufen) vor einem Jahr treffend charakterisiert hat: „Ein großer Weinsee namens Chianti Classico, die Abfüller werden die teureren Qualitäten als Riserva und die Winzer diese als Selezione anbieten. 126719391110_05CATI_1100Es sind die Produzenten, die festlegen, welches der bessere Wein ist, sie klassifizieren ihre Weine selbst. Denn sie bestimmen, was Grand Cru – sprich: Riserva, respektive Selezione –, und was Appellation régional – sprich: Annata – ist.“ Zum Schluss wird da die Frage gestellt: „Wen macht die Krise arm macht und wen reich…? Und die Antwort: „Es gibt nicht nur Weinende (bei der Weinproduktion in der Toskana), manche haben auch zu lachen. Die Weinhäuser florieren wie nie zuvor. Während an den Bauernhäusern der Putz blättert, bauen sich die Abfüller Weintempel. Je tiefer der Fassweinpreis, desto höher ihre Vermarktungschancen und Gewinne.“ Kein Wunder, dass der Chianti (seit Jahren) in der Krise steckt. Weil mir die Situation nicht ganz unbekannt ist, habe ich mir diesen Chianti (letztlich auch von einem Weinhaus) doch eingeschenkt. Ich bin angenehm überrascht: „Zwar im Bukett eher zurückhaltend, doch im Gaumen fruchtig, charmant und dicht, nicht aufdringlich, sondern das, was man authentisch nennen kann.“ Ich bin zufrieden, sehr zufrieden, auch wenn es ein Werbegeschenk ist, dem ich sonst aus dem Weg gehe.

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