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Unter der Krise im Bordelais leiden vor allem die kleinen Weingüter. Selbst ein herausragender Jahrgang nützt den Erzeugern der Rand-Appellationen derzeit wenig.

„Es ist teuer, einen guten Wein zu erzeugen”. Armand Schuster de Ballwil seufzt. „Ausgerechnet jetzt, wo es immer mehr Fortschritte gibt, bekommen wir Probleme.” Der fließend deutsch sprechende Winzer vertritt an diesem Verkostungstag das Syndicat Viticole Régional des AOC Bordeaux et Bordeaux Supérieur. Fast hundert Flaschen der so genannten „kleinen Bordeaux” sind hier für die angereisten Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgebaut. Doch die Stimmung der Verantwortlichen ist gedrückt. Bei jenen Winzern, die weder auf prestigeträchtige Titel noch auf Parker-Höchstbewertungen vertrauen können, herrschen derzeit Sorgen vor, wird über stetig sinkende Fasspreise und Notdestillationen gesprochen. Und das ungeachtet der Tatsache, dass viele Güter den besten Wein ihrer Geschichte erzeugt haben: 2005 ist eben nicht nur in der Spitze ein außergewöhnlicher Jahrgang.

Der Jahrgang 2005 - Eintagsfliegen gibt es wenige


Petit Verdot und mehr…

Beim Vergleich der Fassproben mit gereiften Gewächsen zeigt sich allerdings deutlich, dass jene Betriebe im Vorteil sind, die auch 2004, 2003 oder 2000 Gutes auf die Flasche gebracht haben. Eintagsfliegen gibt es 2005 wenige, dafür haben es tatsächlich einige Weingüter gegen die natürlichen Vorgaben geschafft, Flüssigkeiten mit unreifen Tanninen und herben Gerbstoffen zu keltern. Bei den Petit Crus scheint es sich doch noch nicht überall herumgesprochen zu haben, dass Mostgewicht und physiologische Reife nicht identisch sind. Auf Château Micalet im Haut-Médoc beherrscht man sein Handwerk dagegen vorbildlich. Besitzer Denis Fédieu, der einen Teil seines Weines als Bio-Cuvée ausbaut, stellte zum déjeuner Raritäten bis ins Jahr 1975 vor und bewies, dass auch ein Cru Artisan hervorragend reifen kann. Auf einen reinsortigen Petit Verdot aus dem Jahr 1998 traf das ganz besonders zu. Der komplett im neuen Holz ausgebaute Tropfen wirkte enorm frisch, saftig, hoch elegant und animierend. Übertroffen wurde er nur von einem fabelhaften 1982er Micalet, der nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen zeigte.

Fasskeller des Château Citran

Konzentration oder Saignée

Patentlösungen für die Krise haben auch die Crus Artisans nicht zu bieten, vor allem nicht, was den deutschen Markt betrifft. „Sehr schwierig” heißt es da nur, „vieles geht über die Preise”. Erhöhungen derselben in erheblichem Umfang können sich wohl erst die Crus Bourgeois leisten, jedenfalls die namhaftesten. „Tatsache ist”, erzählt Christian Schätzle, Produktionsdirektor von Château Citran, „dass es zu viel Wein gibt in Bordeaux”. Eine kurze, aber heftige Krise mit rascher Verknappung des Angebots ist für den gebürtigen Kaiserstühler das A und O. „Anderenfalls könnte es Betriebe zum Aufgeben zwingen, die eigentlich nicht aufgeben müssten.” Auf Château Citran gibt man - ungewöhnlich für die Region - offen zu, dass manchmal auch der Mostkonzentrator zum Einsatz kommt. „2005 allerdings nicht”, so Schätzle, „da war der Alkohol schon an der oberen Grenze”. Die Alternative hieß Saignée und führte, quasi nebenbei, zu einem Rosé mit ungewöhnlicher Klasse: kurz im Barrique gereift, teilweise einer malolaktischen Gärung unterworfen, kraftvoll und saftig. Auch so könnte die Zukunft des Bordelais aussehen.

Verkostet wurden Ende April fast 300 Weine vor Ort. Teilweise waren die Muster allerdings schon bis zu vier Wochen gefüllt, was umso mehr erklärt, weshalb es sich im Folgenden nur um vorsichtige Schätzungen handelt. Genannt werden die besten verkosteten Weine der jeweiligen Appellationen, ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht.

AOC Bordeaux/Bordeaux Supérieur
Domaine de Courteillac
Château Darzac (?)
Château Larteau
Château Penin (!)
Château Pey la Tour (!)
Château Mousseyron
Château Séguin (!)
Château Recougne

AOC Médoc
Château Béjac-Romelys (!)
Château Garance Haut-Grénat
Château Cantegric

AOC Haut Médoc
Château Micalet, Cuvée Bio (!)
Château Moutte Blanc „Marguerite”
Château Haut Bréga
Château d’Osmond

AOC Margaux
Château des Trois Chardons

AOC Pauillac
Château Béhèré

AOC Saint-Estèphe
Château La Peyre

AOC Blaye/Premières Côtes de Blaye
Château Dubraud, Grand Vin (!)
Château La Raz Caman
Château Cap Saint-Martin
Château des Bertrands, Nectar (!)

AOC Côtes de Bourg
Clos Alphonse Dubreuil
Château Fougas Maldoror
Château Martinat, Cuvée Epicuréa

AOC Canon-Fronsac
Château Cassagne Haut-Canon La Truffière (!)
Château Canon Précresse

AOC Fronsac
Château Les Trois Croix

AOC Lalande de Pomerol
Château La Croix Bellevue

AOC Saint-Géorges
Château Saint-André Corbin (?)

AOC Puisseguin-Saint-Émilion
Château Lanbersac, Cuvée Louisa Lecoester

AOC Montagne Saint-Émilion
Vieux Château Palon (!)

AOC Saint-Émilion Grand Cru
Château Vieux Larmande (!)
Château Pontet-Fumet (!)
Château Lavallade
Château Mangot (!)
Château La Rose Côtes Rol

…und zum Schluss die Crus Bourgeois
Château Citran (!)
Château Picard
Château Moulin à Vent
Château Liversan (!)
Château du Moulin Rouge
Château Bessan-Ségur (!)
Château Le Pey
Château Cissac
Château Lalande (!)
Château des Cabans (!)
Château Donissan
Château Tronquoy-Lalande (!)

…und ganz zum Schluss die Süßweine:
Château du Cros (Loupiac) (!)
Château La Rame (Sainte-Croix du Mont) (!)
Château Laville (Sauternes) (!)
Château Majoureau (Côtes de Bordeaux)

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