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König gestorben - König ernannt. Dieser Spruch gilt auch in Spanien, selbst in Bierzo. Dabei ist es noch nicht lange her, dass alles, was auf Castilla-León hinwies, mit dem blauweißen Symbol Bierzos und der Parole ”Bierzo libre” überpinselt wurde. Nach dem Siegeszug der Demokratie über die Francoanhänger war für kurze Zeit auch eine fünfte Provinz Galiciens mit Bierzo und dem westlich davon angreneznden Teil von Ourense im Gespräch. Aber diese Überlegung war nicht mehr als eine weitere Fußnote in der facettenreichen Geschichte der Region. Aber ohne jeden Zweifel sind die Bercianer treue Spanier und hatten somit zwei Könige, den echten und Prada (a tope).

Die Rebsorte Doña Blanca% etwa 15 Tage vor der Lese
Das Ende der Prada-Regentschaft begann Anfang der neunziger Jahre auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Auch wenn der alte König natürlich nur symbolisch gestorben und in Wirklichkeit abdankend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, so hallt sein Ruf noch bis heute nach. Jedoch begann in der Mitte der neunziger Jahre ein anderer Stern aufzugehen, der des neuen Königs von Bierzo. Ich kenne ihn nun seit vierzehn Jahren und an niemandem kann man die Entwicklung, die Bierzo genommen hat, so klar ablesen wie an Raúl Pérez. Er ist der wahre König von Bierzo. Als ich ihn das erste Mal traf, noch in seiner alten Bodega mit den Polyestertanks, den nicht ganz sauberen Gegebenheiten und dem damals vorhandenen Gleichmut, da sagte er mir: „Schau, Joachim: wir haben hier zwei Probleme. Das eine heißt Mencía. Denn Mencía taugt so überhaupt nicht für sortenreine Weine. Immer muss man Cabernet Sauvignon und Merlot beimischen, damit da etwas Ordentliches herauskommt. Und das zweite Problem heißt. Mencía: denn Mencía taugt nun überhaupt nicht für den Fassausbau. Man kann die Weine nur im Stahltank bereiten, und das reiche nun einmal nicht für große Weine.” Wir sahen uns dann lange Zeit nicht.

Etwa sechs Jahre später traf ich einen an Statur, aber vor allem an Selbstbewußtsein gewachsenen Raúl Pérez, der mit folgende Botschaft entgegenschleuderte: „Schau, Joachim: Es gibt zwei Faktoren, die Bierzo so einzigartig machen, wie es nun einmal ist. Der eine Faktor heißt Mencía. Denn Mencía ist in all ihren Facetten so vielschichtig, dass sie, anders als viele andere Rebsorten, nun wirklich keinen Partner braucht, sondern eigenständige, hochspannende Weine hervorbringt. Und das andere Plus heißt Mencía. Denn wie kaum eine andere Rebsorte ist die Mencía geradezu geschaffen für einen behutsamen Fassausbau.” Krasser kann man den Wandel nicht beschreiben. Was war geschehen? Wie so oft musste einer von außen kommen, der die Region aufmischt. In diesem Fall war es Ricardo Pérez, Neffe von Alvaro Palacios. Er begann, in Bierzo Lagenweine zu keltern, biodynamisch zu arbeiten und verfügte vor allem über eine gigantisch gute Pressearbeit - kein Wunder, wenn man über L‘Ermita reden und Las Lamas präsentieren kann. Ob die Weine der Bodega Descencientes de J. Palacios ihr Geld wert sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber von all den Lagenweinen mit den Namen San Martín, Moncerbal, Fontelas und allen voran Las Lamas und La Faraona (mit Preisen bis zu 200 Euro pro Flasche) gibt es meist nur wenige Barricas, vom La Faraona ganze zwei, aber einen nie satten US-Markt. La Faraona kenne ich nicht, Las Lamas hingegen schon und muss zugeben, dass ich für einen spanischen Ladenpreis von 80 Euro schon weitaus schlechtere Weine erworben habe.

Bierzo ist ein hügeliges Land mit Bergen außenherum. Die auf dem Bild reichen bis 1.500 Meter Höhe

Ricardo hat der Region gezeigt, was wirklich möglich ist. Und der erste, der das kapiert hat, war Raúl Pérez. Seine Topweine von Castro Ventosa - die Bodega hat er inzwischen verkauft - stehen denen von Ricardo in nichts nach. Bei Grupo Frías und deren Vorzeigebodega Estefanía keltert er zumindest mit dem Pagos de Posada und dem eher hochpreisigen Pieros Weine, denen Richtung Spitze nicht viel fehlt, auch wenn sie an die eigentlichen Stars der Szene nicht herankommen. Und sein neuer Garagenwein, um den er ein wenig ein Geheimnis macht, obwohl so viel Geheimnisvolles gar nicht dran ist, stellt das alles noch einmal in den Schatten. Aber es ist nicht nur die Önologentätigkeit, sondern die Weitergabe von Information. Raúl hat einige Schüler und vor allem Schülerinnen, die mit seinem Wissen heute bei verschiedenen Bodegas tätig sind. Allen voran Elena Otero, die für Weine wie den Leiros (Luzdivina Amigo) oder den Viñas Viejas von Pagos de Valdoneje verantwortlich ist und zeitweise auch bei Dominio de Tares aktiv war. Und Raúl trägt das Wissen weiter. Überall, wo entweder Mencía (Rías Baixas, Monterrei) oder Schiefer (Cebreros), oder beides (Algueira in Ribeira Sacra) anzutreffen ist, ist er mit von der Partie. Dennoch ist er fest in der Region Bierzo verwurzelt.

Mariano García ist ebenfalls in der Region tätig. Unter der Schirmherrschaft des Machers von Mauro und Vega Sicilia keltert Grégory Pérez - irgendwie heißen die alle Pérez - den Paixar. Da aber Grégory zuvor bei Cos d‘Estournel aktiv war, ist er ein Freund des Mischens. Paixar ist kein sortenreiner Mencía, aber deswegen kein schlechter Wein. Zur Spitze hält er jedoch einen gewissen Sicherheitsabstand.

Neuerdings beginnen auch Großbodegas aus Rías Baixas, Bierzo zu entdecken. Martín Codax, die gerade unter gütiger Mithilfe von E.+J. Gallo ein gigantisches Albariñoprojekt stemmen, haben eine eigene Bodega in Bierzo, Terras Gauda hat Pittacum übernommen - die Weißweinbodegas aus Pontevedra suchen ein rotes Komplementärprodukt. Im Gegenzug hat Dominio de Tares die Albariño-Bodega Lusco übernommen. Ob das alles der Weinqualität hilft, sei dahingestellt. Der Name Bierzo wird dadurch sehr wohl bekannter. So ist der Absatz der Bierzo-Weine in Deutschland von 12.000 Flaschen im Jahr 2005 auf 48.000 Flaschen im Jahr 2007 geradezu explodiert. Leider ist der Durchschnittspreis nicht bekannt, denn zwischen den Weinen eines Ricardo Pérez und denen der Genossenschaften oder Handelskellereien liegen Welten.

Nicht nur den Wein zieht es nach Galicien. Früher zogen die Bercianos im Sommer als Feldarbeiter ge Galicien. Dieser Mähdrescher war vor 80 Jahren sicher ein hochmodernes Gerät.

Und wer sind die Stars der Zukunft in der Region der Zukunft? Die großen, bekannten Güter werden es nicht sein. Dass sie es können, haben sie alle bewiesen, sei es Tilenus oder Dominio de Tares, Peique oder Luna Beberide. Aber sie sind schon zu groß, da zählen andere Faktoren als das alleinige Streben nach Qualität. Nein, der Star der Zukunft muss aus der Gruppe der kleinen Bodegas kommen, aus der jungen Winzergeneration. Und wenn er keine Fehler macht und wenn der berühmte Schubs nach unten ausbleibt, dann wird der Star der Zukunft Marcos García heißen. Im Reigen derer, die das Zeug zu großen Weinen haben - Luzdivina Amigo, Val de Paxariñas, El Comendador und Pagos de Valdoneje - ist er der hungrigste. Systematisch und mit viel Übersicht hat er in den letzten Jahren Parzellen hinzugekauft oder hinzugepachtet, insbesondere in den kargen, wasserarmen Zonen bei Valtuille.de Abajo. 43 sind es inzwischen, in der Regel nicht mehr als einen Viertel Hektar groß. Unlängst kämpften wir uns mit seinem Magirus Deutz der 30er Jahre durch die Hänge von Valtuille. Die Präzision, mit der er heute schon weiß, wohin er konkret mit jeder einzelnen Parzelle will, ist durchaus spannend. Drei oder vier Parzellen hat er für seine ”vinos de Terroir” bereits ausgewählt, darunter eine, die nach Norden zeigt. Dass es dort weniger Sonne gibt als an den Westhängen, stört ihn nicht. Denn zum einen fehle es nun garantiert nicht an Sonne und zum anderen habe er beobachtet, dass diese Parzelle weniger von Regen und insbesondere von Nebel betroffen sei als die Nachbarparzellen. Die Umsetzung seiner Ideen hat gerade begonnen. Aktuell gibt es ”nur” einen einfachen Mencía und einen Viñas Viejas, die beide den Namen Pagos de Valdoneje tragen.

Zum ersten Teil: "Bierzo - Ein schlafender Riese?" 

Zum dritten Teil: "Bierzo - Zwischen Fasswein und zwei Fass Wein" 

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