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Die Wiederentdeckung der deutschen Landschaften als touristische überaus attraktive, umweltverträglich erreichbare Nahziele, als vielfältige und traditionsreiche Wander- und Weinregionen geht seit geraumer Zeit einher mit einer stattlichen Reihe von Weinreisebüchern, die zugleich Gastronomie und Tourismus, Landschaft und Weinkultur in den Blick nehmen. Zwei publizistische „Schulen” kristallisieren sich dabei heraus: Während die einen Titel in opulenter Aufmachung, großformatig, Hardcover, bilder- und rezeptlastig auf Hochglanzseiten eher der Vor- und Nachbereitung der Reise in Küche und heimischer Sofaecke dienen, wollen sich andere in leicht handbarer Größe und weintouristischer Informationsdichte mittels Kartenmaterial und Tipps zu Winzern, Übernachtungen und klassischen „Sehenswürdigkeiten” als Reisebegleiter der neuen Generation empfehlen: Praktisch, kompetent und kompakt.

Zur ersten Schule gehören zweifellos die Reihen „Eine kulinarische Weinreise” und „Kulinarische Entdeckungsreisen” des Neuen Umschau Buchverlages, der sich auf hochwertige kulinarische Bildbände, Kochbücher und Ernährungsratgeber spezialisiert hat. Die dort bislang erschienenen Bände zu den deutschen Weinanbaugebieten  Baden, Württemberg, Pfalz ( „Kulinarische Weinreise”) und Franken ( „Kulinarisches Franken für Wein- und Bierliebhaber”) sind Teil eines umfangreichen Verlagsprogramms, das sich den „schönsten Urlaubsregionen Deutschlands und Europas” widmet. Die umfangreich illustrierten „Kulinarischen Weinreisen” weisen stets die gleiche Struktur auf: Zunächst werden die einzelnen Regionen in knappen Überblicksartikeln dargestellt. Diese stellen - gelegentlich angereichert mit Angaben zu Rebflächen und der Rebsortenverteilung in den einzelnen Weinregionen, den typischen Böden und klimatischen Besonderheiten - Land und Leute, Lebensgefühl, Gastro- und Weinkultur dar. Danach folgen in sehr bunter Mischung auf jeweils ein bis zwei Seiten die geradezu preiswürdige Profi-PR-Präsentation von Winzergenossenschaften, Weingütern, Hotels und Gasthöfen, oft mit bebilderten Rezepten. 

Die Kriterien für deren Auswahl und Abfolge werden an keiner Stelle deutlich. Deutlich wird vielmehr, dass andere Kriterien als die üblichen weinfachlichen Überlegungen den Ausschlag für die Auswahl gegeben haben: Weinkultur, regionaltypische Küche und liebliche Landschaften als Ingredienzen von Lebenslust und Lebensqualität - aber nicht systematische oder gar problematisierende Darstellungen önologischer und weinwirtschaftlicher Aspekte. Auf den Punkt bringt es das Register: „Kulinarische Empfehlungen” und das „Verzeichnis der Rezepte” zeigen die Interessen von Verlag und Autoren: Koch- und Gastrobücher „gehen eben immer”, wie die alljährlichen Verlagsprogramm zeigen; dies um so mehr, wenn sie so gut die Themen Genuss, Kultur und Wein miteinander verbinden, wie es bei diesen Titeln der Fall ist. Hier macht’s  eben die Mischung - und die ist mit dem Schwerpunkten Winzer, Genossenschaften und, Gastronomen, Landschaften, Städten und Dörfern, aber auch Metzgereien, Cafés, Bäckern und Blumenläden nicht nur wild, sondern tatsächlich auch geeignet, intensive Eindrücke von dynamischen Weinlandschaften, innovativen Weinmachern und traditionsbewussten wie experimentierfreudigen Köchen zu vermitteln. Den Bänden dieser „Schule” gelingt es so - trotz geradezu befremdlich bunter Themenkombination - einzulösen, was sie für die jeweiligen Regionen versprechen: Für das „Weinparadies Baden” wird die „bestens” gelungene „kulinarische Partnerschaft von Wein und Speisen” aufgezeigt. Das Buch zur Pfalz zeigt die Region nicht mehr als „das Land der derben Genüsse und der lieblichen Schoppenseligkeit”; es stellt vielmehr - mit stimmungsvollen Aufnahmen von Armin Faber - eine informative „Entdeckungsreise zu vielen bekannten und mehr noch nicht bekannten Weinmachern und Gastronomen” dar.

 Auch Württemberg und Franken zeigen sich hier selbstverständlich von ihren besten Seiten: Der württembergische Wein ist mittlerweile „auch jenseits der Spätzlesgrenze anerkannt und gewinnt weiter an Ansehen” - ein Befund, der sich durch die Weine vieler hochambitionierter Winzer leicht belegen lässt. Einen ähnlichen Eindruck werden auch die Leser des vergleichbar gestrickten Bandes „Kulinarisches Franken - Für Wein und Bierliebhaber” gewinnen können: Nicht nur bei vielen Winzern, sondern auch „in vielen fränkischen Küchen weht ein frischer Wind.” Diese Regio-PR-Publikationen machen tatsächlich Lust auf Land und Leute - so sehr, dass sie vor allem den Tourismusverbänden geradezu als Werbematerial empfohlen werden könnten.

Zur zweiten Schule „Praktisch, kompetent und kompakt” - Vademekum für die Reise - gehört beispielsweise die Buchreihe des Stuttgarter Hampp-Verlages „Auf Weinreise”, die aktuell um zwei Bände zur südwestdeutschen Weinregion erweitert worden ist: Der frühere Sommelier und renommierte Weinautor Frank Kämmer hat nach der „Pfalz” und „Rheingau/Rheinhessen” nun Titel zu „Baden” und „Württemberg” vorgelegt. Die jeweiligen Weinregionen der beiden Anbaugebiete werden jeweils von Süden nach Norden in komprimierten, weinfachlich sehr informativen Kapiteln vorgestellt. Der hohe Nutzen für die touristische Praxis ergibt sich aus der lockeren Abfolge von Weingut- und Winzerporträts (je 58), von Empfehlungen für Essen, Trinken und Übernachtung, aber auch von Tipps für „Entdecken”, „Einkaufen” und „Bewegen” (z.B. Weinlehrpfade). Auf den Übersichtskarten für den Autofahrer sind die Weingüter mit Nummerierung - also leicht auffindbar im fortlaufenden Text - eingetragen. Der Leser wird mit den wichtigsten Weinorten und -regionen ohne Anspruch auf Vollständigkeit vertraut gemacht. Um Vollständigkeit soll es hier auch nicht gehen: Die Bände verstehen sich als eine kompakt präsentierte Summe persönlicher Empfehlungen und Erfahrungen - gut geeignet für die schnelle Information und zum Einstecken in die Jackentasche.  Hilfreich wäre ein etwas umfangreicheres Register nicht nur zu den Weingütern, sondern auch zu Dörfern, Sehenswürdigkeiten und Gasthäusern. Das Preisniveau der Weingüter - beispielsweise „gehoben” oder „bürgerlich bis Luxus” - sollte präziser angegeben werden. Insgesamt aber hat der Hampp-Verlag mit diesen Titeln überaus praktische und ergiebige Reiseführer für die wachsende Zahl der Weininteressierten vorgelegt, die die deutschen Weinregionen wieder als attraktive Ziele für Urlaub und genussvolle Weinkunde entdecken wollen.

Gertrud und Eberhard Löbell: Eine kulinarische Weinreise durch Baden. Umschau Verlag: 2005, Neustadt an der Weinstraße, Hardcover mit Fadenheftung. 216 Seiten. 23,5 x 30 cm. ISBN 978-3-86528-325-2. 29,90 Euro.
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Holger Mühlberger, Andrea Mohr, Magdalena Ringeling: Eine kulinarische Weinreise durch die Pfalz. Neuer Umschau Buchverlag: 2005, Neustadt/Weinstr. 264 Seiten, 23,5 x 30 cm. Hardcover mit Fadenheftung. ISBN 978-3-86528-325-2. 34,90 Euro.
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Ute und Robert Elsner-Link, Martina Braun: Kulinarisches Franken für Wein- und Bierliebhaber. Neuer Umschau Buchverlag: 2006, Neustadt an der Weinstraße. 152 Seiten, 23,5 x 30 cm. Hardcover. ISBN 978-3-86528-322-1. 29,90 Euro.
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Petra Wagner, René Paetow Eine kulinarische Weinreise durch Württemberg. Neuer Umschau Buchverlag: 2006, Neustadt/Weinstr. 216 Seiten, 23,5 x 30 cm. Hardcover mit Fadenheftung. ISBN 978-3-86528-321-4. 35,90 Euro.
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Frank Kämmer: Auf Weinreise. Baden. Stuttgart: Hampp Verlag 2007, 104 Seiten, Broschur. ISBN 978-3-936682-22-9. 9;90 Euro; und Frank Kämmer: Auf Weinreise. Württemberg. Stuttgart: Hampp Verlag 2007, 104 Seiten, Broschur. ISBN 978-3-936682-23-6. 9,90 Euro.
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