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Mitten im Holz bin ich aufgewachsen. Mein Großvater war Zimmermann. Unser Haus hat er selber gebaut. Vor meinem Zimmerfenster eine Sägerei, hinter dem Haus das Holzlager des letzten Wagners, ein paar Schritte entfernt: die Werkstadt des Küfers. Für mich war schon immer ganz klar: Häuser werden vom Zimmermann gebaut, Räder vom Wagner und Weine ruhen in Holzfässern. Ist dies heute noch so? Oder sind es nur noch Überbleibsel einer längst verschwundenen Welt?

 

Das alte Handwerk des Küfers

Seit dreißig Jahren lebe ich wieder in einem Holzhaus, umgeben von immer mächtiger werdenden Bäumen. Man kann sagen, Holz ist mein liebstes Material, für mich ein Stück Natur. Gilt dies auch für Holz im Wein oder Wein im Holz? Oder ist das etwas ganz anderes? Holz, reduziert auf eine einzige Funktion: als Aromenbringer oder noch besser Aromenverstärker. Tertiäraromen nennen wir sie und meinen damit Anklänge an Vanille, Kokosnuss, Leder, Bittermandeln, Gewürznelken… Im Glas habe ich, während ich diese Kolumne schreibe, einen Wein aus dem Bordelais, Reysson aus dem Haut-Médoc, dazu eine Verkostungsnotiz: „Viel Eiche, aber auch eine Menge saftiges Tannin, blumigfruchtiges Barrique-Finale…“ Schon im 18. Jahrhundert hat sich in Bordeaux das Barriquekleines Holzfass nach Schiffsmaß – durchgesetzt, und von da hat es den Siegeszug durch die Welt angetreten. Barrique wurde unversehens zum Qualitätsmerkmal des Weins. Nicht wegen seiner praktischen Größe (225 Liter) und auch nicht, weil der Wein hier besser ausgebaut wird als in dem alten, grossen Holzfass, dem Fuder, Tonel, Mud, Butt und wie sie alle heißen.

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